Uni-Düsseldorf
14. März 2017Seminar BBM 3c BM III 3 Erzählen im Artusroman Hartmanns von Aue Iwein
Der um 1200 entstandene Iwein ist nach dem Erec der zweite Artusroman Hartmanns von Aue. Er erzählt die Geschichte des gleichnamigen Ritters, der den Artushof verlässt, um auf âventiure auszuziehen und dabei das Land und die Dame eines zuvor im...
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Jetzt Lernplan erstellenDer um 1200 entstandene Iwein ist nach dem Erec der zweite Artusroman Hartmanns von Aue. Er erzählt die Geschichte des gleichnamigen Ritters, der den Artushof verlässt, um auf âventiure auszuziehen und dabei das Land und die Dame eines zuvor im Kampf getöteten Ritters gewinnt. Der schon kurz nach der Heirat von seiner Dame Laudine erbetene – und durch den Wunsch nach Ritterschaft motivierte – erneute Auszug Iweins lässt ihn seine Pflichten als Landesherr und Ehemann vergessen, er versäumt die ihm gesetzte Frist, innerhalb eines Jahres zu ihr zurückzukehren, und wird öffentlich des Verrats bezichtigt. Der Verlust des zuvor Erworbenen – von wîp, lant und êre – lässt ihn zunächst wahnsinnig werden; erst über erneute Bewährung, die sowohl in ritterlichen Taten als auch in einem individuellen Lern- bzw. Entwicklungsprozess besteht, kann er seine gesellschaftliche Position restituieren und die Gunst Laudines zurückgewinnen.
Im Rahmen dieser Handlungsstruktur diskutiert der Iwein sowohl zentrale gesellschaftliche Themen, wie etwa das Verhältnis von Liebe, Herrschaft und êre, als auch damit eng verknüpfte anthropologische Fragen, wie etwa die nach den Konstitutionsbedingungen höfischer Identität. Ein Blick auf die narrativen Verfahren zeigt zugleich, dass die Erzählung auf subtile Weise scheinbar feststehende Wertesysteme und Normhorizonte problematisiert und somit die grundsätzliche Relativität normativer Kategorien reflektiert. Im Seminar sollen daher im Anschluss an eine gemeinsame Lektüre und eine Einarbeitung in erzähltheoretische Grundbegriffe und Analysekategorien die narrativen Techniken und poetischen Verfahren des Romans besonders in den Blick geraten. Dabei sollen nicht nur zentrale Muster arthurischen Erzählens, sondern auch verschiedene Forschungspositionen im Hinblick auf jene spezifische Poetik betrachtet und zur Diskussion gestellt werden.
Hartmann von Aue: Iwein. Text der siebenten Ausgabe von G.F. Benecke, K. Lachmann und L. Wolff. Übersetzung und Nachwort von T. Cramer, 4., überarbeitete Aufl. Berlin, New York 2001.
Germanistik (BA, PO 2013) Kernfach
Universität Düsseldorf
SoSe 2016
Scheibel Nina Alexandra