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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Seminar BBM4c BM IV 3 aufschreiben umschreiben weiterschreiben Schreibpraxis und Schreibverfahren der Vormoderne

Die vormoderne Schreibpraxis unterscheidet sich hinsichtlich ihrer Medialität und Materialität deutlich von der modernen. In der Regel werden die Texte nicht von ihren Autoren, sondern von Schreibern in Skriptorien aufgeschrieben. Schreiben ist dann auch häufig abschreiben. Diese (Auf-)Schreibpraxis vor dem...

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Die vormoderne Schreibpraxis unterscheidet sich hinsichtlich ihrer Medialität und Materialität deutlich von der modernen. In der Regel werden die Texte nicht von ihren Autoren, sondern von Schreibern in Skriptorien aufgeschrieben. Schreiben ist dann auch häufig abschreiben. Diese (Auf-)Schreibpraxis vor dem Buchdruck unterliegt gänzlich anderen Bedingungen und Voraussetzungen und geht mit einem historisch zu differenzierenden Verständnis von Autorschaft und Text einher. Mittelalterliches Erzählen ist wiedererzählen. F. J. Worstbrock bestimmt daher schon Ende der 1990er Jahre das Wiedererzählen als -die fundamentale allgemeinste Kategorie mittelalterlicher Erzählpoetik- (Worstbrock, Franz Josef: Wiedererzählen und Übersetzen, S. 130). Im Wiedererzählen präsentiert sich der Autor als ‚neuernder Gestalter‘ (Artifex) einer bereits bekannten, schon erzählten Geschichte. Entgegen der Beteuerungen der Autoren in Pro- und Epilogen aber, erzählen sie die Geschichte nicht bloß wieder, übersetzen sie nicht aus dem Französischen ins Deutsche, sondern gestalten sie nach ihrem Ermessen um. Als Resultat einer solchen Aufschreibe- und Umschreibepraxis präsentieren sich Texte in ihrer schriftlichen Form bisweilen als Fragmente. Ein Bedürfnis nach Vollständigkeit und ein aus dem Artifex-Konzept resultierendes Textverständnis bringt dann Fortsetzungen Fragment gebliebener Texte hervor. Das Anliegen der Vervollständigung und der Umgang mit dem Verfahren des Weiterschreibens zeugen so von einem spezifischen Autor- und Textverständnis. Das Seminar verfolgt neben der Vermittlung und Erarbeitungen inhaltlicher Aspekte immerzu auch das Ziel, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterdessen die Arbeitstechniken wissenschaftlichen Arbeitens in praktischer Anwendung näherzubringen. Geplant ist daher (abhängig von der Teilnehmerzahl), dass die Studierenden unter Anleitung Themenblöcke in Gruppen gemeinsam gestalten und wissenschaftlich fundiert aufarbeiten. Literaturrecherche ist dann ebenso relevant wie die Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Texten und deren themenspezifische Aufarbeitung. Germanistik (BA, PO 2013) Kernfach BN: regelmäßige und aktive Teilnahme + Einzelleistung, die (voraussichtlich) in der aktiven Beteiligung bei der in Gruppen organisierten wiss. Aufarbeitung der Themenblöcke besteht AP: Hausarbeit (mind. 15 - 20 Seiten) Universität Düsseldorf SoSe 2016 Bernard Katrin