Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Bild und Körper Die Büste als Medium der Repräsentation
Von der Antike bis heute ist die Büste eine besondere Gattung der Bildniskunst. Auch Jörg Immendorfs junges und schon viel diskutiertes Staatsporträt von Gerhard Schröder zeigt den Alt-Bundeskanzler nicht mit seinem ganzen Körper, sondern als Büste, wenn auch im Medium...
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Jetzt Lernplan erstellenVon der Antike bis heute ist die Büste eine besondere Gattung der Bildniskunst. Auch Jörg Immendorfs junges und schon viel diskutiertes Staatsporträt von Gerhard Schröder zeigt den Alt-Bundeskanzler nicht mit seinem ganzen Körper, sondern als Büste, wenn auch im Medium der Malerei. Das Seminar nimmt die Büste als Repräsentation des Körpers in den Blick. Ihre Form blieb zwar über die Jahrhunderte gleich, wobei damit allerdings je unterschiedliche Körpervorstellungen und Bildfunktionen verbunden waren. Entlang der Begriffstrias von Bild, Körper und Medium werden anhand ausgewählter Exemplare (von den Büstenreliquiaren des Mittelalters über Donatellos Porträtbüsten und Dürers Bildnis des Johannes Kleberger bis zum Büstenformat der Nachrichtensprecher im Fernsehen) die verschiedenen Funktionen und die historischen Dimension dieser besonderen Form der bildlichen Körperrepräsentation untersucht. Wofür steht ein solches pars-pro-toto? Wie verhält sich das Fragment zum Ganzen? Welche Idee des Porträts manifestiert sich? Warum konzentriert man sich auf diesen isolierten Körperausschnitt, der das Gesicht vom übrigen Teil des Körpers trennt? Ist damit, wie es Gilles Deleuze und Felix Guattari gedacht haben, ein Gesichtstypus vorgegeben, der von pastoraler wie von politischer Macht kontrollierter und modelliert werden kann (?Das Gesicht ist eine starke Organisation?)? Oder manifestiert sich eine bestimmte anthropologische Konstante der Bildgeschichte, die auch jenseits besonderer kultureller Differenzen wirksam ist?
Literaturhinweise:
Hans Belting: Bild und Tod. Verkörperung in den frühern Kulturen (Mit einem Epilog zur Photographie), in Ders.: Bild-Anthropologie, München 2001, 143-188 Gilles Deleuze/ Felix Guattari: Tausend Plateaus, Kapitalismus und Schizophrenie, Berlin 1997 Brigitta Falk: Bildnisreliquiare. Zur Entstehung der metallernen Kopf,
Büsten- und Halbfigurenreliquiare im Mittelalter, in: Aachener Kunstblätter, Bd. 59, 1991-93, 99-239 Ernst H. Kantorowicz: Die zwei Körper des Königs, 2. Aufl, München 1994, Originalausgabe: The King?s two Bodies. A Study in Mediaeval Political Theology, Princeton 1957 Ernst Rebel: Die Modellierung der Person. Studien zu Dürers Bildnis des Hans Kleberger, Stuttgart 1990 Bruno Reudenbach/ Gia Toussaint (Hrsg.): Reliquiare im Mittelalter, Berlin 2005 Bruno Reudenbach: ?Gold ist Schlamm?. Anmerkungen zur Materialbewertung im Mittelalter, in: Monika Wagner (Hrsg.): Material in Kunst und Alltag (Hamburger Forschungen zur Kunstgeschichte, 1) Berlin 2002, 1-12.
Martin Schulz: Ordnungen der Bilder. Eine Einführung in die Bildwissenschaft, München 2005 Martin Schulz: Ent-Larvung der Bilder. Zum Anachronismus der TV-Gesichter, in: Hans Belting (Hrsg.): Bildfragen. Bildwissenschaft im Aufbruch, München 2007 Monika Wagner: Das Material der Kunst. Eine andere Geschichte der Moderne, München 2002
Kunsthochschule Kassel
Uni Kassel
SS2007
Kunstwissenschaft
Dr.
Marek Kristin