Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Bildung 8211 MACHT 8211 Subjekte Politische Sozialisation zwischen Inklusion und Exklusion Wie werde ich ein un politischer Mensch
Die Studierenden erarbeiten im Seminar Grundlagen sozialisationstheoretischer Ansätze und analysieren die Konzepte der Identitätsbildung, Subjektivierung und sozialen Anerkennung. Darauf aufbauend werden die Voraussetzungen alltäglich zu leistender Identitätsarbeit untersucht und auf den Bereich der Politischen Bildung übertragen. Erkenntnisleitende Fragen des Seminars...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Studierenden erarbeiten im Seminar Grundlagen sozialisationstheoretischer Ansätze und analysieren die Konzepte der Identitätsbildung, Subjektivierung und sozialen Anerkennung. Darauf aufbauend werden die Voraussetzungen alltäglich zu leistender Identitätsarbeit untersucht und auf den Bereich der Politischen Bildung übertragen. Erkenntnisleitende Fragen des Seminars sind, wie sich soziale Ungleichheit in Bildungsinstitutionen reproduzieren und auf welche Weise dabei Kinder und Jugendliche zu (un)politischen Menschen werden. Die Studierenden untersuchen an ausgwählten Studien und Fallbeispielen, wie die Mechanismen von sozialer Zugehörigkeit und Abgrenzung (Inklusion und Exklusion) von Kindern und Jugendlichen in ihren Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsweisen verinnerlicht werden und wie sich soziale Positionierungen und gesellschaftliche Machtverhältnisse in Bildungsprozessen reproduzieren?
Politische Bildung kommt also nicht nur als Unterrichtsfach, sondern v. a. als Unterrichtsprinzip sowie als informelles Lernen in Schule, Ausbildung, Universität oder auch als non-formales (außerschulisches) Lernen in den Blick. Der erste Teil des Seminars stellt eine Problemhinführung dar. Die Frage, auf welche Weise Jugendliche zu gesellschaftlich angepassten, nützlichen Subjekten erzogen oder zu politisch mündigen Menschen gebildet werden, soll an Problemen ungleicher Bildungschancen, neuer Disziplinar- und Kontrolltechniken sowie des Konfliktes um politische und gesellschaftliche Anerkennung kultureller Minderheiten diskutiert werden. Als Übergang zum zweiten und dritten Teil werden Möglichkeiten kooperativ-partizipativer Lehr- und Lernformen sowie Ansätze forschenden Lernens vorgestellt, die im weiteren Verlauf des Seminares erprobt werden. Die Studierenden lernen anhand klassischer und aktueller empirischer Studien zwei Ansätze politischer Bildungsforschung kennen. Der ethnografische Ansatz (und die dokumentarische Methode) untersucht, wie soziale Wirklichkeit und gesellschaftliche Machtverhältnisse in Interaktionen hergestellt werden. Auch Bildungsprozesse und unterrichtliche Interaktionen sind permanent durch Praktiken der Inklusion und Exklusion gekennzeichnet, sie reproduzieren soziale Ungleichheit, initiieren aber auch Widerständigkeit. Dies wird besonders anschaulich in der Studie Spaß am Widerstand. Learning to Labour von Paul Willis gezeigt. Mit dem zweiten, praxeologischen Zugang soll gefragt werden, wie kulturelles Kapital durch Schule und Sozialisation übertragen wird und sich gleichzeitig als Habitus in die Menschen einschreibt, d. h. das Wahrnehmen, Denken und Handeln der sozial geformten Subjekte bestimmt. Wiederum wird anhand ausgewählter Beispielstudien gezeigt, wie soziale Mechanismen symbolischer Macht, sozialer Positionierung sowie von Selbst- und Fremdausschließung empirisch zugänglich werden.
Die Studierenden entwickeln während des Seminarverlaufs eine eigene Fragestellung sowie eine konkrete Idee für ein (begrenztes und ggf. kooperatives) Forschungsvorhaben. Dabei können bereits Erhebungsinstrumente im Seminar erprobt oder ausgewählte (vorhandene) Daten (z. B. Unterrichtstranskripte, biographische Daten, Interviews etc.) gemeinsam kodiert und interpretiert werden.
Bohnsack, Ralf/Nentwig-Gesemann, Iris/Nohl, Arnd-Michael (Hrsg.) (2013): Die dokumentarische Methode und ihre Forschungspraxis. Grundlagen qualitativer Sozialforschung. Wiesbaden
Bourdieu, Pierre (1997): Die verborgenen Mechanismen der Macht. Hamburg
Bourdieu, Pierre (2001): Wie die Kultur zum Bauern kommt. Über Bildung, Schule und Politik. Hamburg
Brake, Anna/Bremer, Helmut/Lange-Vester, Andrea (Hrsg.) (2013): Empirisch Arbeiten mit Bourdieu. Theoretische und methodische Überlegungen, Konzeptionen und Erfahrungen. Weinheim
Bremer, Helmut/Kleemann-Göhring, Mark/Teiwes-Kügler, Christel; Trumann, Jana (Hrsg.) (2013): Politische Bildung zwischen Politisierung, Partizipation und politischem Lernen. Beiträge für eine soziologische Perspektive. Weinheim, Basel
Eis, Andreas/Salomon, David (Hrsg.) (2014): Gesellschaftliche Umbrüche gestalten. Transformationen in der Politischen Bildung. Schwalbach
Flick, Uwe (2014): Qualitative Sozialforschung. Eine Einführung. Hamburg
Foroutan, Naika (2010): Neue Deutsche, Postmigranten und Bindungs-Identitäten. Wer gehört zum neuen Deutschland? In: Aus Politik und Zeitgeschichte (46-47), S. 9-15
Sezgin, Hilal (Hrsg.) (2011): Manifest der Vielen. Deutschland erfindet sich neu. Berlin
Welzer, Harald (2013): Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand. Frankfurt/M. (auch als Lizenzausg. Bonn: bpb Schriftenreihe 1401).
Willis, Paul E. (2013): Learning to labour. Spaß am Widerstand. Dt. Neuauflage [1. Aufl. 1977] Hamburg
Leistungsnachweis
Als Prüfungsleistung verfassen Sie eine Hausarbeit (oder einen Forschungsbericht) zu einer selbst gewählten Fragestellung. Die Hausarbeit kann literaturbasiert erfolgen oder auch (ggf. in Kleingruppen) begrenzte empirische Forschungsarbeiten dokumentieren: z. B. auf der Grundlage von 2-3 Leitfadeninterviews oder eines Gruppeninterviews oder der Analyse bereits vorliegender Daten, z. B. von Unterrichtstranskriptionen aus dem Archiv für pädagogische Kasuistik (www.apaek.uni-frankfurt.de). Thema und Gliederung der Hausarbeit besprechen Sie bitte rechtzeitig.
Als Studienleistung wird Ihre aktive Teilnahme, d. h. die regelmäßige Lektüre und Bereitschaft zur Diskussion im Seminar vorausgesetzt. Zudem übernehmen Sie bitte für eine Sitzung entweder
• den Einstieg in die Moderation und Textdiskussion (ca. 30 min. mit Thesen, Fragen, Tafelbild etc. zur Ergebnissicherung) oder
• Sie verfassen ein Reflexionspapier von ca. 1-2 Seiten, in dem Sie sich mit einigen zentralen Thesen und Fragen des Textes diskursiv auseinandersetzen. (Abgabe per Mail: Dienstag vor der Sitzung).
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2015/16
Politik und Wirtschaft Zweitfach
Prof. Dr.
Eis Andreas