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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Bildung ist mehr als Schule Herausforderungen Fragen und Probleme

In den bildungs- und sozialwissenschaftlichen Diskussionen besteht weitgehend Konsens darin, dass die Qualität und das Ausmaß der erworbenen Bildung und des hierin eingebundenen Wissens nicht ausschließlich nach den erworbenen Zertifikaten bewertet werden kann. Zeugnisse, Dokumente, Bescheinigungen und Diplome dokumentieren und...

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In den bildungs- und sozialwissenschaftlichen Diskussionen besteht weitgehend Konsens darin, dass die Qualität und das Ausmaß der erworbenen Bildung und des hierin eingebundenen Wissens nicht ausschließlich nach den erworbenen Zertifikaten bewertet werden kann. Zeugnisse, Dokumente, Bescheinigungen und Diplome dokumentieren und zertifizieren keineswegs die tatsächlich jeweils vorzuweisenden Fertigkeiten und Fähigkeiten. Dissens ist allerdings zu beobachten, wenn der Frage nachgespürt wird, an welchen Orten und unter welchen Bedingungen die real aktivierbaren Kompetenzen erworben wurden. Dass Schule über die in den Zeugnissen dokumentierten Leistungen hinaus zum Erwerb von Wissen und Können beiträgt, ist weitgehend unstrittig. Auch den Institutionen der beruflichen und akademisch-wissenschaftlichen Qualifizierung und dem formalisierten Feld der berufsbezogenen Fort- und Weiterbildung wird eine wesentliche Rolle bezüglich des Erwerbs von Bildung zugesprochen. Im Kontrast hierzu erfahren allerdings die institutionalisierten Orte des non-formal organisierten Sozial- und Bildungssystems wie auch die informell strukturierten Orte gesellschaftlicher Praxis keine entsprechende Anerkennung. In den öffentlichen Diskussionen wenig Beachtung findet der Erwerb von Kompetenzen in den Praxen • der non-formalen nichtschulischen Bildung der Kinder- und Jugendarbeit, insbesondere der Jugendverbandsarbeit, • der Jugendsozialarbeit, insbesondere der Jugendberufshilfe, • der Maßnahmen der beruflichen und lebensweltbezogen Integration und des zweiten und dritten Beschäftigungsmarktes • der jugendbezogenen gewerkschaftlichen Bildungsarbeit, insbesondere der politischen Bildungsarbeit in und außerhalb von Betrieben und Unternehmen, • der informellen Szenen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, • der Vereine und Verbände, • der sozialräumlichen, selbstorganisierten Netzwerke und partiell auch der • vorschulischen Angebote der Betreuung, Erziehung und Bildung. Ausgehend von aktuellen Auseinandersetzungen sollen in der Veranstaltung diese Handlungsfelder in Bezug auf ihre Leistungen, Bildungsprozesse zu ermöglichen, geprüft werden. Zudem sollen in der Veranstaltung beispielsweise die Stichworte Mobilität, Pluralisierung und »Individualisierung« genauer betrachtet und die und der Bildungschancen durch soziale Herkunft, berufliche Orientierungen der Eltern, sozial-kulturelle Freizeitpräferenzen und milieugeprägte Stabilisierung von Bildungsaspirationen beleuchtet werden. FB 04 Sozialwesen Uni Kassel WS 2009/2010 Lehrveranstaltungspool FB 04 FB 04 Sozialwesen Prof. Dr. Thole Werner