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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Chancen und Grenzen politischer Steuerung

Die Metapher vom Steuern eines Schiffes taucht in der abendländischen Geistesgeschichte schon früh auf, um die Aufgabe des politischen Führungspersonals zu bestimmen. Im modernen Wohlfahrts- und Planungsstaat ist der Begriff der Steuerung wieder zu Prominenz gelangt, stand aber bald unter...

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Die Metapher vom Steuern eines Schiffes taucht in der abendländischen Geistesgeschichte schon früh auf, um die Aufgabe des politischen Führungspersonals zu bestimmen. Im modernen Wohlfahrts- und Planungsstaat ist der Begriff der Steuerung wieder zu Prominenz gelangt, stand aber bald unter dem Eindruck der Ernüchterung in der Verfolgung weitreichender Reformambitionen. Der Staat der Moderne soll zugleich die Autonomie unterschiedlicher Teilsysteme der Gesellschaft respektieren und sie auf ein gesellschaftsverträgliches Funktionieren ausrichten. Dabei soll er auch noch demokratischen Ansprüchen gerecht werden. Die Frage, ob der demokratische Staat dazu in der Lage ist, die Gesellschaft zu steuern, wurde auch auf theoretischer Ebene sehr kontrovers diskutiert. Kritiker des Steuerungsanspruchs von rechts und links verwiesen auf die systematische Überforderung des Staates mit Erwartungen, die dieser nicht erfüllen könne. Mit der -Governance-Perspektive- wurde eine Erweiterung der Steuerungstheorie vorgenommen, die die Potentiale der Gesellschaft zu Selbststeuerung systematisch einbeziehen wollte. Der Staat wurde als hierarchische Steuerungsinstanz in Frage gestellt, ohne den Anspruch auf politische Gestaltung der Gesellschaft aufzugeben. In der Lehrveranstaltung sollen die Etappen dieser jüngeren Steuerungsdebatte nachvollzogen und anhand von Beispielen vertieft werden. Insbesondere soll der Zusammenhang von Steuerungskonzepten und Leitideen der Staatlichkeit deutlich werden. Ziel ist eine kritische Auseinandersetzung mit der Angemessenheit der Rede von 'politischer Steuerung' in der Erschließung unterschiedlicher Theorieperspektiven und deren Anwendung. Literatur zur Einführung Benz, Arthur (Hrsg.) (2010): Governance - Regieren in komplexen Regelsystemen. Eine Einführung, 2., aktualisierte und veränderte Aufl., Wiesbaden. Benz, Arthur/Lütz, Susanne/Schimank, Uwe/Simonis, Georg (Hrsg.) (2007): Handbuch Governance. Theoretische Grundlagen und empirische Anwendungsfelder, Wiesbaden. Haus, Michael (2010): Transformation des Regierens und Herausforderungen der Institutionenpolitik, Baden-Baden. Lange, Stefan/Braun, Dietmar (2000): Politische Steuerung zwischen System und Akteur. Eine Einführung, Opladen. Mayntz, Renate (1996): Politische Steuerung. Aufstieg, Niedergang und Transformation einer Theorie, in: Beyme, Klaus von/Offe, Claus (Hrsg.): Politische Theorie in der Ära der Transformation, PVS-Sonderheft 6, Opladen: 148-167. Schuppert, Gunnar Folke (Hrsg.) (2005): Governance-Forschung. Vergewisserung über Stand und Entwicklungslinien, Baden-Baden. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2011/12 Politikwissenschaften Prof. Dr. Haus Michael