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Uni-München
14. März 2017

Seminar Coole Typen A2 V2

Während -cool- heute meist allgemein als lässiger Ausdruck der Affirmation verwendet wird, ist es in seinen früheren Verwendungen durchaus mit dem Kühlen verbunden und bezieht sich auf eine Form der sozialen Distanznahme und der persönlichen Affektkontrolle. Für die Wertschätzung der...

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Während -cool- heute meist allgemein als lässiger Ausdruck der Affirmation verwendet wird, ist es in seinen früheren Verwendungen durchaus mit dem Kühlen verbunden und bezieht sich auf eine Form der sozialen Distanznahme und der persönlichen Affektkontrolle. Für die Wertschätzung der Kälte können verschiedenen Genealogien gezeichnet werden: Der Ursprung von coolness wird meist in der Afro-Amerikanischen Kultur verortet – hier wird coolness als Überlebensstrategie der Sklaven verstanden, die angesichts der Diskriminierung ihre Gefühle kontrollierten, dadurch sich schützten und gelegentlich passiv sich widersetzten. Die Karriere von coolness ist dann eng mit dem amerikanischen Jazz und der Musikkultur der Mitte des 20. Jahrhunderts verbunden (etwa mit Miles Davis’ Album The Birth of the Cool von 1953). Man kann die Wurzeln des Coolen jedoch auch in anderen Traditionen der Affektkontrolle sehen: Etwa in den antiken Affekttheorien (nicht nur der Stoa) oder der höfischen Kultur. Die Lässigkeit des Hofmanns (die Castiglione als sprezzatura beschreibt) operiert auf einem ähnlich schmalen Grad wie die Coolness: beide drohen stets in Verkrampftheit oder Affektiertheit umzuschlagen, müssen sie sich doch auf konventionelle Coolness-Signale berufen, die schnell überholt sind. Verhaltenslehren der Kälte (Lethen) scheinen Verhaltenslehren für eine feindliche Umwelt zu sein, besonders deutlich wird das in ihrer Aktualität in der deutschen Zwischenkriegszeit (etwa bei Brecht oder Serner). Aufmerksamkeit muss man auch der coolen Genderordnung schenken: Coole Typen sind traditionell männlich kodiert (so weitgehend auch noch im aktuellen Sprachgebrauch, wenn weiblich eher mit -hot- assoziiert wird), es gibt aber seit jeher Versuche der weiblichen Aneignung des Coolen (etwa in Laclos’ Liasions dangereuses oder in der jüngeren Populärkultur in Tarantinos Kill Bill oder der Trilogie The Hunger Games). Generell muss jede Reflexion des Coolen sich mit dessen thermischer Gegen-Metapher, der Wärme oder Hitze beschäftigen: Trägt die romantisch-kulturkritische Klage, dass der Siegeszug des Coolen Ausdruck einer erkalteten Welt und Sozialkultur sei, die unweigerlich in sentimentale Rück- und Vorgriffe auf Kulturen der Wärme führt? Oder ist Kühle der Ausweg aus einer Überhitzung, in welche die Moderne durch Forderungen nach sozialer Nähe (vgl. das Stichwort der Tyrannei der Intimität von Sennett) geraten ist? Wir werden im Seminar die verschiedenen Geschichten des Coolen anhand ihrer prominenten Typen abschreiten und dabei versuchen, die jeweils kulturgeschichtlichen Implikationen der entworfenen Affektkontrolle zu erhellen und insbesondere nach der eigenen Rhetorik und Ästhetik der Coolness fragen. ECTS-Punkte: Hauptfach: BA: 6 ECTS (Hausarbeit oder Essays bzw. Referat, benotet) MA 12: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet) Nebenfach: SLK:3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet) MA NF für Soziologie: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie. B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München WiSe 1415 Dr. Schumm Johanna