Uni-Kassel
14. März 2017Seminar De Aktivierung im flexiblen Kapitalismus Das Andere der Aktivgesellschaft
Die Rede von der -Aktivierung- gibt seit nunmehr einem Jahrzehnt, spätestens aber seit den Sozialreformen rund um die -Agenda 2010-, in der bundesdeutschen Sozialpolitik den Ton an. Die Aktivierungsformel vom -Fördern und Fordern-, Leitlinie zunächst der mit dem Namen des...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Rede von der -Aktivierung- gibt seit nunmehr einem Jahrzehnt, spätestens aber seit den Sozialreformen rund um die -Agenda 2010-, in der bundesdeutschen Sozialpolitik den Ton an. Die Aktivierungsformel vom -Fördern und Fordern-, Leitlinie zunächst der mit dem Namen des damaligen VW-Personalvorstands Peter Hartz verbundenen Arbeitsmarktreformen, hat sich mittlerweile auch in anderen Bereichen des deutschen Sozialstaats als regulative Idee sozialpolitischen Handelns durchgesetzt. Zu beobachten ist ein Wandel der sozialstaatlichen Steuerungslogik, der zufolge (potentielle) LeistungsempfängerInnen nicht mehr als TrägerInnen von Rechten betrachtet, sondern als zur Eigen- und Mitverantwortung Verpflichtete und in diesem Sinne zu Aktivierende gelten. So unstrittig die generelle Tendenz dieser Entwicklung ist, so problematisch wird die Diagnose jedoch in ihrer verbreiteten Verallgemeinerung: Sie verstellt sowohl den Blick auf Prozesse der politischen De-Aktivierung, De-Subjektivierung und De-Mobilisierung im flexiblen Kapitalismus als auch auf Praktiken des Protest oder des alltäglichen Sich-Entziehens.
Nach einer Einführung in die Entwicklung hin zum aktivierenden Sozialstaat steht -Das Andere der Aktivgesellschaft- im Zentrum des Seminars: Prozesse der Exklusion und Entkoppelung, der De-Aktivierung und De-Mobilisierung (zum Beispiel von Flüchtlichen und Hochaltrigen) interessieren ebenso wie die Phänomene Burnout und Boreout sowie politische Strategien der De-Aktivierung und Entschleunigung -von unten-, zum Beispiel in Gestalt der Slowfood-Bewegung, der glücklichen Arbeitslosen oder des Lobs auf Faulheit. Orte des Nichtstuns, die Pause oder Langeweile werden aus kultursoziologischer Perspektive in den Blick genommen.
Empfohlene Lektüre zur Einstimmung ins Thema:
Heinz Bude & Andreas Willisch (Hrsg.) (2008): Exklusion. Die Debatte über die -Überflüssigen-, Frankfurt/Main: Suhrkamp.
Billy Ehn & Orvar Löfgren (2012): Nichtstun. Eine Kulturanalyse des Ereignislosen und Flüchtigen, Hamburg: Hamburger Edition.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2014/15
Politik und Wirtschaft
Prof. Dr.
Dyk van Silke