Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Die Geschichte des philosophischen Dialogs Platon Augustin Abaelard Erasmus von Rotterdam Giordano Bruno
Menschliches Denken ist ein stiller Dialog der Seele mit sich selbst. Mit diesem Worten bestimmt Platon die Fähigkeit zum Gespräch als ein spezifisches Charakteristikum der menschlichen Vernunft. Damit ist ein Verständnis von Philosophie grundgelegt, das sich wesentlich in Formen der...
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Jetzt Lernplan erstellenMenschliches Denken ist ein stiller Dialog der Seele mit sich selbst. Mit diesem Worten bestimmt Platon die Fähigkeit zum Gespräch als ein spezifisches Charakteristikum der menschlichen Vernunft. Damit ist ein Verständnis von Philosophie grundgelegt, das sich wesentlich in Formen der Kommunikation artikuliert. Dieser Ansatz führt auf die Frage nach der Besonderheit des philosophischen Dialogs. So meint das philosophische Sprechen nicht einen beliebigen Austausch über beliebige Themen. Das Ziel besteht vielmehr darin, eine themenzentrierte Fragestellung zu untersuchen und dabei über das Gesagte Rechenschaft abzugeben. In diesem Sinn ist das philosophische Gespräch ein Sprechen, das wesentlich der Suche nach Wahrheit verpflichtet ist. Vor diesem Hintergrund erstaunt es nicht, dass sich der Dialog zu einer Grundform der Darstellung philosophischer Inhalte entwickelt. Dabei ist die von Platon begründete Form der dialogischen Wahrheitssuche in der Geschichte der Philosophie freilich vielfach abgewandelt worden. So bildet sich neben dem Typus des Zwiegesprächs auch der Typus des Selbstgesprächs (Augustin), des Streitgesprächs (Abaelard) oder des satirischen Gesprächs (Erasmus) heraus. Überdies zeigt sich jedoch auch, dass der Dialog gezielt zur Bekämpfung bestehender wissenschaftlicher Theorien eingesetzt werden kann (Giordano Bruno) und auf diese Weise die Bedeutung eines wissenschaftspolitischen Instruments erhält. Das Seminar versucht auf der Grundlage ausgewählter Texte die fundamentale Funktion des Dialogs in der Geschichte der Philosophie nachzuzeichnen. Das Verständnis grundlegender philosophischer Begriffe, die Prinzipien philosophischer Interpretation sowie die mündliche und schriftliche Darstellung sollen in eigenen Lernschritten vermittelt werden. Termine der Blockveranstaltung:
Sa. 25.11.2006 von 9-17 Uhr, Raum 1207, NP 1
So. 26.11.2006 von 9-17 Uhr, Raum 1207, NP 1 Sa. 27.01.2007 von 9-17 Uhr, Raum 1207, NP 1
So. 28.01.2007 von 9-17 Uhr, Raum 1207, NP 1
Vorbesprechung am 19.10.2006 von 14-16 Uhr, Raum 1305, NP 1
Textgrundlagen: Platon, Menon, in der Übers. von F. Schleiermacher, Sämtliche Werke Bd. 2, hrsg. von W. F. Otto, E. Grassi, G. Plamböck, Hamburg (Rowohlt) 1972. Augustinus, Selbstgespräche / Von der Unsterblichkeit der Seele, lat.-dt., übertr., erläutert und Anm. von H. Müller, München/Zürich 1986. Abaelard, Gespräch eines Philosophen, eines Juden und eines Christen, lat.-dt., hrsg. und übertr. von H.-W. Krautz, Darmstadt 1995. Erasmus von Rotterdam, Vertraute Gespräche, lat.-dt. ausgewählt, übers. und hrsg. von H. Rädle, Universal-Bibliothek Nr. 9822, Stuttgart (reclam) 1976. Giordano Bruno, Das Aschermittwochsmahl, übers. von F. Fellmann, mit einer Einl. von H. Blumenberg, insel taschenbuch 548, Frankfurt a. M. (Insel Verlag) 1981. Martin F. Meyer (Hrsg.), Zur Geschichte des Dialogs, Philosophische Positionen von Sokrates bis Habermas, Darmstadt (Wiss. Buchgesellschaft) 2006.
FB 01 Institut für Philosophie
Uni Kassel
WS 2006/2007
Philosophie HF
Dr.
Bönker Vallon Angelika