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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Die Poetik der Erzählung Über narrative Konstruktionen in Lebensgeschichten

Wie werden Lebensgeschichten erzählt? Wie beschreiben Menschen ihre Erfahrungen in qualitativen Interviews? Was sagen uns diese Erzählungen über den Interviewten? Was sagen sie uns über uns selbst, die wir in jeder Situation des Alltags derartige Konstruktionen sozialer Wirklichkeit hören, verstehen...

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Wie werden Lebensgeschichten erzählt? Wie beschreiben Menschen ihre Erfahrungen in qualitativen Interviews? Was sagen uns diese Erzählungen über den Interviewten? Was sagen sie uns über uns selbst, die wir in jeder Situation des Alltags derartige Konstruktionen sozialer Wirklichkeit hören, verstehen und auch selbst anfertigen (müssen)? Und was sagen sie uns schließlich über die Art und Weise, wie wir Geschichten erzählen können/müssen, damit sie dem Anderen aber auch uns selbst verständlich erscheinen? Was die Interviewten erzählen ist dabei zwar sehr spannend. Viel spannender ist für die Fragestellung des Seminars jedoch, auf welche Art die Interviewten welche Momente ihres Lebens erzählerisch -in Szene- setzen und mit welcher Dramaturgie sie ihre Erzählung gestalten. Dahinter steckt zum einen die Idee, dass jede vermeintlich individuelle Erzählung immer schon eine soziale, gesellschaftliche Erzählung ist. Denn ohne den narrativen Bezug auf bekannte soziale Formen und auf typische strukturierende Ideen müsste die Erzählung nicht nur dem Zuhörer sondern gleichwohl auch dem Individuum selbst unverständlich bleiben. Zum anderen geht es um den Gedanken, dass Individuen in ihren Erzählungen nicht die -Wirklichkeit- darstellen und nacherzählen, sondern dass sie diese in ihren Erzählungen aktiv herstellen und mitgestalten. Jede Darstellung sozialer Wirklichkeit in Interviews basiert auf poetologischen, erzählerischen Kategorien (Hayden White), selbst dort, wo die Interviewten darauf bestehen, die -Wahrheit- zu sagen. Das Seminar beschäftigt sich auf der Basis offener-narrativer Interviews und klassischer soziologischer und erzähltheoretischer Texte mit der literaturwissenschaftlich längst schon etablierten Frage, wie sich Menschen in ihren Beschreibungen selbst erfinden und entwerfen, wie sie sich narrativ in ein Verhältnis setzen zu ihren Mitmenschen und zu gedachten gesellschaftlichen Strukturen und wie sie in einer Art -poetischem Akt- (Hayden White) kollektive Bedeutungen, soziale Erwartungen und gesellschaftliche Werte (re)konstruieren. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2012/13 Soziologie HF Harbusch Martin