Uni-München
14. März 2017Seminar Die Volksrepublik Polen 1956 bis 1989
Die Geschichte der VR Polen begann schon während des Zweiten Weltkrieges, doch im -polnischen Oktober- 1956 veränderte sich der im Jahr 1944 proklamierte Staat grundlegend. Der zuvor inhaftierte, neue Parteivorsitzende Wladyslaw Gomulka nationalisierte, liberalisierte und entstalinisierte das Land. Doch blieb...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Geschichte der VR Polen begann schon während des Zweiten Weltkrieges, doch im -polnischen Oktober- 1956 veränderte sich der im Jahr 1944 proklamierte Staat grundlegend. Der zuvor inhaftierte, neue Parteivorsitzende Wladyslaw Gomulka nationalisierte, liberalisierte und entstalinisierte das Land. Doch blieb die VR Polen eine von der Sowjetunion abhängige Einparteiendiktatur. In regelmäßigen Abständen rebellierten Teile der Bevölkerung gegen die Staatsmacht, die darauf mit Gewalt und Einschränkungen der Bürgerrechte antwortete. Nach einem Militärputsch unter der Führung des Generals Wojciech Jaruzelski 1981 wurde die 10-Millionen-starke Gewerkschaftsbewegung Solidarnosc 1981 verboten. Ein machtpolitisches Patt zwischen der Vereinigten Arbeiterpartei und der Solidarnosc führte zu den Verhandlungen am -runden Tisch- 1989, die das Ende der VR Polen einläuteten.
Neben dieser auf politischen Konflikten fußenden Meistererzählung bieten andere Fragestellungen ergänzende und alternative Narrationen. So wandelte sich die polnische Bevölkerung als Folge des Zweiten Weltkrieges von einer multiethnischen zu einer homogenen, mit einer starken katholischen Nationalkirche und einer Staatspartei, die auf nationale Legitimität setzte. Der florierende Schwarzmarkt, Modernisierungsschübe - die in der Verstädterung und Erhöhung des Bildungsniveaus sichtbar wurden - und die Steigerung der Lebensqualität zeichnen ein anderes Bild Polens, in dem der Anteil der Parteimitglieder auf 15 % der Gesamtbevölkerung kletterte und bis 1976 keine nennenswerte Oppositionsbewegung zu verzeichnen war. Schließlich etablierten sich im Zuge der begrenzten Liberalisierung mehrere künstlerische Strömungen: Plakate, Filme sowie Jazzmusik aus Polen wurden neben Schinken und Leinen zu Exportschlagern.
Die Volksrepublik Polen stellt ein eindrucksvolles Beispiel für die Komplexität und Widersprüchlichkeit europäischer Geschichte des späten 20. Jahrhunderts dar, das Einblicke in unterschiedliche Teildisziplinen der Geschichtswissenschaft bietet. Zugleich soll der Basiskurs zum Kennenlernen und Einüben grundlegender Methoden des geschichtswissenschaftlichen Arbeitens dienen. Es werden keine Kenntnisse der polnischen Sprache erwartet.
Prüfungsformen im BA und mod. Lehramt: KL, RE, HA.
Prüfungsformen im Master-Nebenfach (His im GSP): KL, RE, HA.
Achtung NEU! Prüfungsform im Didaktikfach - Mittelschule und Sonderpädagogik (Studienbeginn ab WS 2015/16): RE + HA
Wlodzimierz Borodziej: Geschichte Polens im 20. Jahrhundert, München 2010.
Markus Krzoska: Ein Land unterwegs. Kulturgeschichte Polens seit 1945, Padeborn 2015.
Marcin Zaremba: Im nationalen Gewande: Strategien kommunistischer Herrschaftslegitimation in Polen 1944 – 1980, Osnabrück 2011.
Nils Freytag, Wolfgang Piereth: Kursbuch Geschichte. Tipps und Regeln für wissenschaftliches Arbeiten (5., aktualisierte Auflage), München 2011.
Anmeldung
Anmeldungen für Studierende im Rahmen des Gemeinsamen Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Profilbereiches GSP (ausschließlich für diese, ansonsten zentrale Einschreibung): per E-Mail an th.bauer@lrz.uni-muenchen.de
Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften
LMU München
WiSe 1617
Sawicki Jakub