Uni-München
14. März 2017Seminar Diskursanalyse und Literatur A2
Der Signifikant -Diskurs- ist nach wie vor in aller Munde. Und wer ihn gebraucht, führt damit auch implizit oder explizit (es sei denn, er zwingt sich, in dessen kommunikativer Verwendung nur an Jürgen Habermas zu denken) den Namen Michel Foucault...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Signifikant -Diskurs- ist nach wie vor in aller Munde. Und wer ihn gebraucht, führt damit auch implizit oder explizit (es sei denn, er zwingt sich, in dessen kommunikativer Verwendung nur an Jürgen Habermas zu denken) den Namen Michel Foucault in die Debatte ein. Foucault nämlich hat in seinen Büchern den Begriff -Diskurs- scharf gemacht, um mit ihm etablierte, überlieferte und hegemoniale Auffassungen von Wissen, Sprechen und Handeln um ihren unterstellten Verstand zu bringen. Eine Mine im Feld der sogenannten Humanwissenschaften ist der Foucaultsche Diskurs. Träumte Nietzsche, dessen gelehriger Schüler Foucault stets sein wollte, einst davon, mit dem Hammer zu philosophieren, ist der -Diskurs- im theoretischen Werkzeugkasten Foucaults durchaus als ein solcher zu bezeichnen – ein Instrument, mit dem der intellektuelle Analytiker seiner Aufgabe, Zertrümmerer aller Evidenzen über Wörter und Dinge zu sein, ein Stück näher zu kommen vermag.
Dabei lässt sich der Grundimpuls der Foucaultschen Diskursanalyse durchaus knapp formulieren: -Wer darf in wessen Namen und mit welchen Folgen was wie zu wem sagen?- (Jochen Hörisch) – Nicht mehr knapp freilich sind die Konsequenzen und Implikationen dieser Ausgangsproblematik. Sie schlagen sich nieder in grundsätzlichen und umwegigen Erörterungen, in hochkomplexen theoretischen und historischen Winkelzügen, in einer Reihe faszinierender und schwieriger Begrifflichkeiten. Wer von -Diskurs- redet, darf auch von Subjekt und Subjektivierung, Repräsentation, Archäologie, Genealogie, epistemologischen Einschnitten, historischen Aprioris, Biopolitik, Gouvernementalität etc. nicht schweigen; und muss sich darüber hinaus dem intrikaten Verhältnis widmen, das der Wille zur Wahrheit und der zur Macht miteinander unterhalten. Letztlich bietet die Foucaultsche Diskursanalyse auch vielfältige und weitreichende Perspektiven für die Problematisierung/Erörterung der Ordnung der Literatur bzw. des Literarischen. Suggestiv weist Foucault etwa in Die Ordnung der Dinge der Literatur den Status eines -Gegendiskurses- zu, der sich dem rohen Sein der Sprache verschreibe. Zudem bietet der diskursanalytische Zugang verfremdende Sichtweisen auf Konzepte wie Autorschaft, Hermeneutik oder Kommentar.
Das Seminar zielt darauf, in die hier umrissene Konstellation von -Diskursanalyse und Literatur- einzuführen. Ausgangspunkt wird die gemeinsame Lektüre von L’ordre du discours/ Die Ordnung des Diskurses sein. Der Text soll eine erste Orientierung liefern, um anschließend die schwierigen Reflexionen von Les mots et les choses/ Die Ordnung der Dinge und L’Archéologie du savoir/Archäologie des Wissens zumindest in ihren Grundzügen aufzuschließen. Die Lektüre ausgewählter Schriften zur Literatur Foucaults komplettiert das Programm (z.B. -Was ist ein Autor?).
Zur Einführung und Orientierung:
Philipp Sarasin, Michel Foucault zur Einführung, Hamburg (Junius) 2005.
ECTS-Punkte:
Hauptfach:
BA: 6 ECTS (Hausarbeit oder Essays bzw. Referat, benotet)
MA 12: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet)
Nebenfach:
SLK:3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet)
6 ECTS (Hausarbeit, benotet)
MA NF für Soziologie: 6 ECTS (Essays oder Referat, unbenotet)
Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache
Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie.
B.A.-Nebenfach SLK:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20).
ODER:
Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20).
Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten.
LMU München
WiSe 1415
Dr.
Bullmann Lars