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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Einführung in die Internationale Politische Ökonomie

Die Internationalen Beziehungen als Subdisziplin der Politikwissenschaft beschäftigen sich primär mit dem Verständnis von Staatenbeziehungen und internationaler Politik, während die Wirtschaftswissenschaften vor allem am Funktionieren von (zunehmend globalisierten) Märkten interessiert sind. Aber wie kann man dann Konflikte wie den um...

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Die Internationalen Beziehungen als Subdisziplin der Politikwissenschaft beschäftigen sich primär mit dem Verständnis von Staatenbeziehungen und internationaler Politik, während die Wirtschaftswissenschaften vor allem am Funktionieren von (zunehmend globalisierten) Märkten interessiert sind. Aber wie kann man dann Konflikte wie den um die jüngsten Abwertungen der Kreditwürdigkeit mehrerer europäischer Länder verstehen? Als das global agierende private Unternehmen Standard&Poor's, eine US-amerikanische Rating-Agentur, eine solche Abwertung vornahm, befürchteten viele erhöhte Zinsen für Kreditaufnahmen der öffentlichen Hand, weitere staatliche Haushaltskürzungen und damit eine Verschlechterung der ohnehin schon angespannten politischen Lage im Kontext der -Euro-Krise-. Viele sahen vor diesem Hintergrund die Abwertung durch Standard&Poor’s als einen politischen (!) Feldzug eines vor allem am wirtschaftlichen Gewinn orientierten Privatunternehmens gegen europäische Länder und demokratisch gewählte Regierungen. Manche plädierten daher für die staatliche (!) Initiative zur Gründung einer europäischen und sogar nicht-kommerziellen Rating-Agentur. Andere verwiesen hingegen darauf, dass private Rating-Agenturen prinzipiell nützliche Dienstleister für Investoren seien, zu denen letztlich auch viele Kleinsparer/innen in Europa zählen. Standard&Poor’s decke lediglich unsolide staatliche Haushaltsführung auf, und betroffene Länder müssten nun endlich die nötigen (Spar-) Maßnahmen ergreifen, um das -Vertrauen der Märkte- wiederzuerlangen. Solche Beispiele zeigen, dass die von den Politik- und Wirtschaftswissenschaften getrennt betrachteten gesellschaftlichen Bereiche 'Staat' und 'Markt' in der Realität nicht nur miteinander verknüpft sind, sondern die Grenzziehung zwischen beiden auch oftmals diffus und umstritten ist. Das Seminar führt in das Forschungsprogramm der Internationalen Politischen Ökonomie (IPÖ) ein, das die Untersuchung des Verhältnisses zwischen Staaten und Märkten bzw. internationaler 'Politik' und 'Wirtschaft' zum Gegenstand hat. Der erste Kursteil widmet sich dem grundlegenden Verständnis klassischer Theorieansätze der IPÖ (Liberaler Internationalismus, Merkantilistischer Realismus und Historischer Materialismus). Im zweiten Teil des Kurses untersuchen wir vor diesem Hintergrund konkrete Felder der IPÖ (Produktions-, Handels- und Finanzbeziehungen) mit Blick auf die Frage, ob und wie sich das Verhältnis zwischen Politik und Wirtschaft (Staaten und Märkten) in den letzten Jahrzehnten strukturell gewandelt hat. Anhand ausgewählter Beispiele wie dem Aufstieg Chinas diskutieren wir abschließend, inwiefern eine IPÖ-Perspektive zum besseren Verständnis gegenwärtiger Dynamiken der Weltordnung beitragen kann. Bieling, Hans-Jürgen (2011): Internationale Politische Ökonomie. Eine Einführung; 2., aktualisierte Auflage; Wiesbaden (VS-Verlag). Voraussetzungen Die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Literatur ist Voraussetzung für die Belegung des Kurses. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Die Bereitschaft zur Lektüre englischsprachiger Literatur ist Voraussetzung für die Belegung des Kurses. Uni Kassel WiSe 2013/14 Sachunterricht Möllmann Christian