Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Fantastische Gegner imaginierter Gemeinschaften Vergemeinschaftung in Zeiten der Apokalypse
Wie wird gesellschaftliche Bedeutung in Film- und Fernsehformaten dargestellt? Wie werden Vergemeinschaftungsprozesse in Zeiten erdachter Gefahren medial in Szene gesetzt? Welche Strategien und Praktiken der Vergemeinschaftung werden dargestellt? Das Seminar beschäftigt sich mit apokalyptischen Filmfiktionen und stellt die Frage, wie...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenWie wird gesellschaftliche Bedeutung in Film- und Fernsehformaten dargestellt? Wie werden Vergemeinschaftungsprozesse in Zeiten erdachter Gefahren medial in Szene gesetzt? Welche Strategien und Praktiken der Vergemeinschaftung werden dargestellt?
Das Seminar beschäftigt sich mit apokalyptischen Filmfiktionen und stellt die Frage, wie Gesellschaft in ihnen im Spiel zwischen -Protagonisten- und -Gegnern- interaktiv konstruiert wird. Anhand ausgesuchter Filmsequenzen aus der amerikanischen TV-Serie -The Walking Dead- und immer im Rückgriff auf klassisch soziologische Texte soll eine konstruktivistische Sichtweise entwickelt werden, die den Konflikt - die Situation des Kampfes zuvor entworfener Gegensätze - als konstitutive Bedingung von Vergesellschaftungsprozessen erkennt.
Dahinter steckt der althergebrachte Gedanke soziologischer Klassiker, die im Konflikt - im Spiel der Gegensätze - mehr sehen als eine Irritation gesellschaftlicher Ordnung. Denn ebenso wie Konflikte zur Zerstörung spezifischer Interessen und Ideen, zur Wandlung von Zugehörigkeiten und zur Änderung von Strukturen führen, bringen sie diese gleichwohl hervor, bestärken und transformieren sie, ermöglichen neuartige Koalitionen wie neue Wege zu denken. Konflikte sind deshalb für eine demokratische Auseinandersetzung ebenso konstitutiv wie wichtig und spielen bei der Frage nach (Gruppen-) Zugehörigkeit, nach gesellschaftlichen Werten, nach kollektiv geteilten Ängsten und Hoffnungen, wie nach subjektiv entfalteten Identitätsnarrationen eine tragende Rolle.
In diesem Sinne ist der Blick auf fantastische Gegner imaginierter Gemeinschaften mehr als der Blick auf Figuren symbolisch zu verstehender Konkurrenten. Es ist vielmehr auch der Blick in den konstruktivistischen Spiegel, in dessen vermeintlich entfremdeten Bild sich das Spannungsfeld von Ordnung und Unordnung, von Sinn und Unsinn, von Zugehörigkeit und Nichtzugehörigkeit erst auf den Punkt bringen lässt. Gleichwohl ist es sowohl der Blick auf die handelnden Individuen, die sich (erst) im Kontrast des -Anderen- selbst entwerfen (können), als auch auf die sich durch diese Handlungen und Selbstentwürfe ausbildenden sozialen Strukturen. Fantastische Filmfiguren und die in ihnen Fleisch gewordene Opposition unserer westlichen Gesellschaft verraten vielmehr über uns selbst als sie über sich verraten. In ihnen zeigt sich wesentlich mehr als eine rein unterhaltende Fiktion. Denn bei genauem Hinsehen sind es eigentlich wir Selbst in unserem -Anderssein-.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
SoSe 2012
Soziologie HF
Harbusch Martin