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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Gewalt in der Gesellschaft

Moderne Gesellschaften stehen in deutlicher Auseinandersetzung mit Gewalt: Die Durchsetzung territorialer Kontrolle über einen Flächenstaat konnte nur durch das Zurückdrängen privater physischer Gewalt und die Monopolisierung der legitimen Gewalt beim Staat erfolgen. Dennoch (oder gerade deswegen) bildet die private physische...

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Moderne Gesellschaften stehen in deutlicher Auseinandersetzung mit Gewalt: Die Durchsetzung territorialer Kontrolle über einen Flächenstaat konnte nur durch das Zurückdrängen privater physischer Gewalt und die Monopolisierung der legitimen Gewalt beim Staat erfolgen. Dennoch (oder gerade deswegen) bildet die private physische Gewalt durch den dazu nicht legitimierten Bürger den Gegenstand staatlicher Aufmerksamkeit und macht das aus, was als „Gewalt in der Gesellschaft“ diskutiert wird (Z. Bauman). Diese private Gewalt ist vorrangig Gegenstand der Veranstaltung. Dabei werden zunächst mit der Zivilisationstheorie von Elias und dem strukturalistischen Ansatz von Foucault zwei „klassische“ theoretische Konzepte behandelt, die in der Kriminalsoziologie und Kriminologie eine große Verbreitung haben und Erklärungsversuche dafür geben, wieso private (und auch staatliche) Gewalt sich abmilderten bzw. im Wesen veränderten. Zudem geht es um die Zivilisierung des staatlichen Gewalteinsatzes und des Strafens über die Entfaltung des staatlichen Gewaltmonopols. Diese Entwicklungen wirken sich (nicht zuletzt über die Sozialisation) bis auf die Ebene des einzelnen Gesellschaftsmitglieds aus. Dann werden empirisch und analytisch Bereiche angegangen, in denen es zu privater Gewaltanwendung kommt: Gewaltkriminalität und Gewalt in den sozialen Ausschnitten der Schule und der Familie bzw. Partnerschaft (einschließlich Stalking) sowie Gewalt gegen alte Menschen (in der Fa¬milie, in der Pflege). Der letzte Teil behandelt gesetzliche Maßnahmen gegen Gewalt, nämlich allgemein die Frage, ob Strafverschärfungen das Maß an körperlicher Gewalt senken - und im Besonderen, ob das sog. „Gewaltschutzgesetz“ und das „Züchtigungsverbot“ als sinnvolle Wege zur Reduzierung der Gewalt im sozialen Nahbereich gewertet werden können. Die Frage nach der Zukunft der zivilisatorischen Gesellschaft greift Überlegungen zum Umgang mit Gewalt in einer Umwelt mit qualitativ neuartigen äußeren Bedrohungen (Terrorismus) auf. Heitmeyer, Wilhelm/Hagan, John (2002) (Hrsg.): Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Wiesbaden. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WS 2006/2007 Wirtschaftspädagogik Dr. Luedtke Jens