Uni-München
14. März 2017Seminar Großes Forschungsseminar Iranistik Mittelpunkt der Welt Isfahan in Politik und Geschichte
Im Mittelpunkt der Welt: Isfahan in Politik und Geschichte Inhalt und Lernziele: Isfahan ist neben Teheran die wohl bekannteste Stadt Irans. Bis zur Verlegung der Hauptstadt nach Teheran in 1798 durch Agha Muhammad Khan war Isfahan die Hauptstadt der Safawiden....
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Inhalt und Lernziele:
Isfahan ist neben Teheran die wohl bekannteste Stadt Irans. Bis zur Verlegung der Hauptstadt nach Teheran in 1798 durch Agha Muhammad Khan war Isfahan die Hauptstadt der Safawiden. Die Stadt war politisches und kulturelles Zentrum unter den Buyyiden und den Seldschuken. Isfahans Bauten sind Teil jedes Bildbandes zu islamischer Architektur und die Stadt mit ihrem Fluß sind vielfach besungen, einschließlich Schlagern des 20. Jahrhunderts.
Dieses Seminar ist kein historischer oder urbanistischer Querschnitt, sondern konzentriert sich kontra-trendisch auf Isfahan im 19. Jahrhundert, einer Phase in der sich das Image der Stadt änderte, wo besonders europäische Kommentatoren den Zerfall, den Abstieg, die Entlobung als kulturelles Zentrum und safawidischen Ruhms lamentierten, wo die Stadt fast als emblematisch für die Dekadenz und viel beschworene Inkompetenz qadscharischer Macht galt. Isfahan gilt noch immer als ureigentlich safawidische Stadt und Opfer des politisch-despotischen Niedergangs des 19. Jahrhunderts.
Mit Ziel einer kritischen-revisionistischen Betrachtung beschäftigt sich dieses Seminar genau deshalb mit Isfahan im 19. Jahrhundert—einer Zeit in der die Stadt als nicht mehr relevant, unattraktiv, absichtlich zerstört und zweitrangig befunden wurde. Diskussion und Untersuchung des Seminars betrachten genauer bestehende Klischees, Entwicklung, qadscharische Politik Isfahans, Aktivismus und Propaganda des schi’itischen Klerus, religiöse Auseinandersetzungen, Beziehungen zwischen Isfahan und Teheran sowie Interdependenz lokaler Innenpolitik und internationaler europäischer Machtpolitik in Isfahan.
Die Lektüre des Seminars umfasst vor allem historische Sekundärliteratur, aber auch Texte aus der Zeit, eventuell Traktate von Beteiligten des Zeitgeschehens. Das Seminar beabsichtigt die Stadt nicht nur als ‚folklorisierendes,’ Isfahan-spezifisches Narrativ zu erörtern sondern mit den Debatten zur weiteren iranischen Geschichte zu verbinden. Ein wichtiges Ziel dieses Seminars ist es, Isfahan nicht auf eine urbane Einheit zu reduzieren, die aufgrund ihrer politischen und kulturellen Besonderheiten als Untersuchungsobjekt Aufmerksamkeit verdient, sondern vor allem als Ort der emblematisch politische Auseinandersetzungen und Veränderungsprozesse im Iran reflektiert.
Teilnahmebedingungen:
Reguläre Teilnahme ist absolute Voraussetzung. Diskussion und Dynamik des Seminars hängen entscheidend von der aktiven Beteiligung aller Teilnehmer ab; dies setzt die konsequente Bearbeitung des Lesepensums und die regelmäßige wöchentliche Vorbereitung voraus.
Leistungsnachweise:
- Referat(e)
- Aktive Teilnahme an den Seminardiskussionen
- Eine Hausarbeit im Umfang von ca. 25 Seiten
Thema, Ausformulierung und Recherche der Hausarbeiten sind nach genauer Absprache und Genehmigung von jedem Teilnehmer selbst zu formulieren und aufzubauen. Ziel ist es, Studenten an den eigenständigen Aufbau eines Themas, wissenschaftliches Arbeiten und das Formulieren von Forschungszielen heranzuführen
W3-Professur für Turkologie/Iranistik (Univ. Prof. Dr. Christoph Neumann)
LMU München
WiSe 1415
Dr.
Walcher Heidi