Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Hochschulen als Forschungsgegenstand
Die Bedeutung von Hochschulen für die Gesellschaft hat sich gerade in den letzten Jahrzehnten erheblich geändert. So studieren mittlerweile mehr als die Hälfte einer Alterskohorte. Diese zunehmende Bedeutung wird makrosoziologisch gegenwärtig vor allem mit dem Konzept der Wissensgesellschaft reflektiert, in...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Bedeutung von Hochschulen für die Gesellschaft hat sich gerade in den letzten Jahrzehnten erheblich geändert. So studieren mittlerweile mehr als die Hälfte einer Alterskohorte. Diese zunehmende Bedeutung wird makrosoziologisch gegenwärtig vor allem mit dem Konzept der Wissensgesellschaft reflektiert, in dem die Hochschulen als die key institutions moderner Gesellschaften angesehen werden. Bereits aus diesem Grund ist es lohnenswert, sich mit Hochschulen auseinanderzusetzen.
Hochschulen sind aber darüber hinaus noch aus einem anderen Grund von besonderem Interesse für die Forschung: Sie eignen sich in besonderem Maße als Anwendungsfall für allgemein soziologische Fragestellungen.
So können mit Untersuchungen zu den Entscheidungen der Studierenden, sei es nun in Bezug auf den Studienort, das Studienfach oder den Studienabbruch, Entscheidungstheorien geprüft und weiterentwickelt werden. Zudem sind die Hochschulen in den letzten Jahren auch zu Experimentierfeldern im Hinblick auf die Erprobung neuer Steuerungs- und Governanceformen geworden. Forschung über Hochschulen wird deshalb auch dazu genutzt, institutionelle Vorbedingungen und Absicherungen von Governancemechanismen, aber auch bürokratischer Organisationen herauszuarbeiten. Gleichfalls können Inklusions- und Exklusionsstrukturen und die daraus entstehende soziale Ungleichheit, sei es nun in Bezug auf die Gruppe der Studierenden, der Forschenden und Lehrenden oder aber des Verwaltungspersonals an Hochschulen, besonders gut erforscht werden.
Das Seminar hat zum Ziel, zunächst die gesamte Breite der möglichen Fragestellungen in Bezug auf Hochschulen zu erarbeiten und zu diskutieren. Auf dieser Basis sollen dann unter Anleitung von den Studierenden selbstgewählte eigene kleinere Forschungsprojekte konzipiert und durchgeführt werden. Es besteht dabei auch die Möglichkeit, mit verschiedenen vorhandenen Datensätzen zu arbeiten bzw. an der Erstellung von Datensätzen mitzuarbeiten (z.B. Befragung von Verwaltungsleitungen der Hochschulen, Absolventenstudien, Datensatz zur Entwicklung des Professorinnenanteils an einzelnen Hochschulen in Deutschland im Zeitraum von 1993 bis 2014).
Für eine Studienleistung werden die aktive Teilnahme in allen Phasen der Lehrveranstaltung und eine abschließende Präsentation erwartet. Für die Arbeitsgruppen muss themenspezifisch recherchiert werden und sind eigene kleine Untersuchungsteile durchzuführen. Für eine Prüfungsleistung ist zudem die schriftliche Ausarbeitung der Forschungsarbeit erforderlich.
Grundlagenliteratur:
Hüther, Otto/Georg Krücken (2016): Hochschulen - Fragestellungen, Ergebnisse und Perspektiven der sozialwissenschaftlichen Hochschulforschung. Wiesbaden: VS Verlag (Das Buch kann über Springer Link heruntergeladen werden: http://link.springer.com/book/10.1007%2F978-3-658-11563-0)
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
SoSe 2016
Soziologie
Dr.
Hüther Otto