Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Innovationskultur im Volkswagenkonzern
Die Soziologie hat sich von Anfang an für Unternehmen als spezielle Formen sozialer Systeme interessiert. Von daher gibt es vielfache Anknüpfungspunkte. Die Organisationssoziologie befasst sich damit, wie Entscheidungen in Unternehmen zustande kommen. Wirtschaftssoziologen fragen, wie sich Märkte für Unternehmen bilden...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Soziologie hat sich von Anfang an für Unternehmen als spezielle Formen sozialer Systeme interessiert. Von daher gibt es vielfache Anknüpfungspunkte. Die Organisationssoziologie befasst sich damit, wie Entscheidungen in Unternehmen zustande kommen. Wirtschaftssoziologen fragen, wie sich Märkte für Unternehmen bilden oder wie das Verhältnis zwischen internen und externen Märkten aussieht. Die Arbeitssoziologie nimmt die Veränderung von man-power in den Blick. Insgesamt geht es um die Eruierung von Potentialen, Verwerfungen und Beschränkungen von und in betrieblichen Systemen. Soziologische Theorie aus diesen drei Bereichen wird als Grundlage im Seminar erarbeitet und daraufhin getestet inwiefern sie die Innovationskultur bei Volkswagen erklären oder Hinweise auf Verbesserung geben kann. Innovationen verändern die Kultur eines Unternehmens. Solche Veränderungen beschränken sich nicht auf kreative Ideen zu neuen Produkten, sondern beziehen sich auch auf die Optimierung von man-power, sei es durch effektivere Arbeitsprozesse, verbesserte Rahmenbedingungen von Kommunikation oder den Versuch, die Zufriedenheit von Mitarbeitern zu erhöhen. Die Idee des Change-Managements entstammt ursprünglich den sozialpsychologischen Überlegungen Kurt Lewins. Zur Lösung von sozialen Konflikten schlägt er ein Drei-Phasen-Modell für Veränderungsprozesse vor. Es geht um das Auftauen bestehender Strukturen, Bewegung durch Innovation und das Einfrieren der Erfolge. Lewin betont in seiner Diskussion bereits eine komplizierte Ausgangssituation für Veränderungsprozesse. Innovation, beschreibt er, muss Widerstände überwinden. Das liegt in seinen Augen nicht zuletzt daran, dass der Mensch als Gewohnheitstier skeptisch gegenüber neuen Strukturen ist. Dieses Projekt sieht vor, zu erkunden, ob sich eine solche Innovationsskepsis bei VW-Mitarbeitern überhaupt belegen lässt und wenn ja, bei welchen Themen sie eine Rolle spielt. Es kann außerdem davon ausgegangen werden, dass die Beurteilungen von Veränderungen gruppenspezifisch verlaufen. So ist anzunehmen, dass die Deutungsmuster, was -gute- Innovation ausmacht, abhängig von der Stellung einer Gruppe im Unternehmen und der Bildungskarriere ihrer Mitglieder sind. Auch die Generation spielt eine Rolle. Während die Nachkriegsgenerationen noch lebten um zu arbeiten und die der 80er arbeitete um zu leben hat sich die Bedeutung von Arbeit heutzutage einmal mehr geändert. Leben beim Arbeiten ist wichtiger geworden. Innovationskonzepte müssen demnach den unterschiedlichen Sichtweisen auf -Arbeit- gerecht werden. Aus diesen gruppenspezifischen Deutungsmustern ergeben sich Erwartungen, was Veränderungen kennzeichnen muss, um ihnen positiv gegenüberzutreten. Es geht also im Seminar darum, unterschiedliche Deutungskulturen bei Volkswagen sichtbar zu machen, und Hinweise für anstehende Innovationskonzepte zu liefern.
Kooperation mit Volkswagen:
Dieses Seminar findet in enger Zusammenarbeit mit Volkswagen Kassel statt. Die Seminarteilnehmer haben die Möglichkeit, einen Blick in das Unternehmen zu werfen und Kontakte zu knüpfen. Ansprechpartner bei Volkwagen ist Herr Eshan Darweshi. Er begleitet das Seminar und vermittelt die Interviewpartner für die empirische Studie (qualitativ). In Baunatal steht den Seminarteilnehmern ein Arbeitsraum zur Verfügung. Die Projektergebnisse unterliegen der Geheimhaltung, zu der sich die Seminarteilnehmer zu Beginn der Veranstaltung schriftlich und rechtlich bindend verpflichten müssen. Die Konzeption des Projekts wird in einem fortlaufenden Prozess mit Volkswagen abgestimmt. Im Rahmen des Seminars findet außerdem eine Führung durch die beteiligten Bereiche des Volkswagenkonzerns statt sowie zwei Tagungen, auf denen die (vorläufigen) Projektergebnisse präsentiert werden. Für einen Seminarteilnehmer, der das Seminar mit einer ausgezeichneten Leistung abgeschlossen hat, besteht nach dem Seminar die Möglichkeit, ein bezahltes Praktikum bei Volkswagen zu absolvieren.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Zulassung:
Wir gehen davon aus, dass die Kooperation für Studierende der Uni Kassel und Volkswagen interessante Forschungsansätze und Perspektiven für die Zukunft bietet. Sie bedarf aber einer zuverlässigen und engen Zusammenarbeit zwischen den Projektpartnern bei VW, Seminarbetreuern und Studierenden. An diesem Seminar können deshalb nicht mehr als 10 Studierende teilnehmen.
Uni Kassel
WiSe 2013/14
Soziologie HF
Dr.
Seidenschnur Tim