Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Interkulturelle Verbindungen Die amerikanische und deutsche theoretische Soziologie im Austausch
Die amerikanische Soziologie gilt grundsätzlich als theoriefern und als empirisch ausgerichtet, während die Entwicklung der soziologischen Theorie als Merkmal der europäischen Soziologie angesehen wird. Die theoretische Arbeit in den USA beginnt aber schon mit der Auseinandersetzung Robert Parks mit der...
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Jetzt Lernplan erstellenDie amerikanische Soziologie gilt grundsätzlich als theoriefern und als empirisch ausgerichtet, während die Entwicklung der soziologischen Theorie als Merkmal der europäischen Soziologie angesehen wird. Die theoretische Arbeit in den USA beginnt aber schon mit der Auseinandersetzung Robert Parks mit der Theorie Georg Simmels in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Bedeutenderen Einfluss hatte dann die starke, wenn auch selektive Rezeption Max Webers durch Talcott Parsons und Robert Merton, die zur Entwicklung des Strukturfunktionalismus führte. Diese amerikanische Auseinandersetzung mit der deutschen Soziologie strahlte wiederum durch die lang anhaltende Dominanz des Strukturfunktionalismus auf auch auf Deutschland zurück, z.B. wurde das Werk Webers erst wieder durch Parsons in die hiesige Diskussion eingeführt. Aber auch in der Kritik am Strukturfunktionalismus, z.B. in der Konflikttheorie Lewis Cosers, spielte die Bezugnahme auf deutsche Autoren wie Simmel eine bedeutende Rolle. In neuerer Zeit fanden die theoretischen Bemühungen Parsons und Mertons eine Fortsetzung im Neo-Funktionalismus Jeffrey Alexanders. Ab Mitte der 80er Jahre ist auch der direkte Einfluss Webers auf die aktuellen amerikanischen soziologischen Theorierichtungen der -historischen Soziologie-, des -neuen Institutionalismus- und der -neuen Wirtschaftssoziologie- zu erkennen, die erneut ebenfalls auf die deutsche Debatte zurückwirkten. Überlegungen von Marx wurden dagegen z.B. in der Konflikttheorie oder der postmodernen Theorie aufgenommen. Von besonderer Bedeutung für diese (ausschnitthafte) Verarbeitung der genannten Autoren ist der Zeitpunkt der Übersetzungen der Originaltexte ins Englische, da durch sie andere Arbeiten als in Deutschland eine Schlüsselbedeutung erhielten, so z.B. Webers Vorlesung -Wirtschaftsgeschichte-.
In dem Seminar soll deshalb mit der Besprechung von wichtigen Texten von Marx und Weber begonnen werden, um dann im folgenden zentrale Texte der Theoriediskussion in den USA zu untersuchen. Leitfrage soll dabei sein, inwieweit eine selektive Rezeption der Autoren stattfindet.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
WiSe 2010/11
Soziologie HF
Politik und Wirtschaft
Privatdozent Dr.
Neun Oliver Privatdozent