Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Intertextualität und Verfremdung ENTFÄLLT
Intertextualität und Verfremdung sind ästhetische Basiskategorien, die sich weit in die Literaturgeschichte hinein zurückverfolgen lassen, allerdings erst im 20. Jahrhundert zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Theoriebildung wurden – zu einem Zeitpunkt also, als sie, häufig in Kombination miteinander, derart massiert auftreten, dass...
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Jetzt Lernplan erstellenIntertextualität und Verfremdung sind ästhetische Basiskategorien, die sich weit in die Literaturgeschichte hinein zurückverfolgen lassen, allerdings erst im 20. Jahrhundert zum Gegenstand literaturwissenschaftlicher Theoriebildung wurden – zu einem Zeitpunkt also, als sie, häufig in Kombination miteinander, derart massiert auftreten, dass sie schlechterdings nicht mehr zu übersehen oder als manieristische Abwegigkeiten zu neutralisieren sind.
Den Grundstein für eine Theorie der Verfremdung im Kontext einer allgemeinen, lebenspraktisch orientierten Theorie der Wahrnehmung legt im Jahr 1916 der russische Formalist Viktor Sklovskij. Ihm folgt in den 1930-er Jahren Bertolt Brecht, der – bekanntlich in explizit politischer Perspektive – auf das Bewusstmachen gesellschaftlicher Verhältnisse zielt und in Anlehnung an resp. in Abgrenzung von Hegels Begriff der Entfremdung den Begriff ‚Verfremdung’ prägt.
Etwa zur selben Zeit finden sich Ansätze zu einer Theorie der Intertextualität bei Michail Bachtin, der, ein Erbe des Russischen Formalismus, sich zugleich als dessen Überwinder versteht. Bachtin entwickelt eine Art literarischer Relativitätstheorie, die nicht zuletzt für die in den 1960-er Jahren von Roland Barthes, Michael Foucault u.a. entwickelte Metapher vom Tod des Autors grundlegende Bedeutung besitzt. Der Begriff ‚Intertextualität’ stammt demgegenüber von Julia Kristeva, die ihrerseits auf Bachtin rekurriert, dessen Theorie jedoch in spezifischer Weise modifiziert und zugleich generalisiert.
Im Seminar wird zunächst eine Auswahl theoretischer Texte vergleichend analysiert. Anschließend werden – Theorie und Praxis miteinander verbindend – literarische Texte behandelt, in denen Intertextualität und Verfremdung kombiniert auftreten. Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Frage, welche Funktion der Verfremdung bei der Konstitution des Textes als Intertext zukommt. Das Spektrum der Beispiele ist so ausgewählt, dass sich gleichzeitig Ansätze für eine Typologie unterschiedlicher Formen der Verfremdung gewinnen lassen.
Bitte lesen Sie für die erste Sitzung in unterschiedlichen literaturwissenschaftlichen Nachschlagewerken jeweils mindestens drei Einträge zu den Lemmata ‚Intertextualität’ und ‚Verfremdung’.
Ein Ordner mit Materialien wird im EWS bereitgestellt.
Deutsch LABG2009 SoPä
Technische Universität Dortmund
WiSe 2013/14
Deutsch LABG2009 HRG
Univ.-Prof. Dr. phil.
Kühn Renate phil