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Uni-Dortmund
14. März 2017

Seminar John Stuart Mill Klassiker 19 Jahrhundert

John Stuart Mill (1806-1873) ist einer der drei -Väter- des Utilitarismus, sein Aufsatz -Der Utilitarismus- (Utilitarianism, 1861) ist nach Jeremy Benthams -Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung- (1780) und vor Henry Sidgwicks -Die Methoden der Ethik- (1874)...

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John Stuart Mill (1806-1873) ist einer der drei -Väter- des Utilitarismus, sein Aufsatz -Der Utilitarismus- (Utilitarianism, 1861) ist nach Jeremy Benthams -Einführung in die Prinzipien der Moral und der Gesetzgebung- (1780) und vor Henry Sidgwicks -Die Methoden der Ethik- (1874) einer der drei klassischen Bezugstexte. Neben diesem Aufsatz wird aus seinem umfangreichen Gesamtwerk vor allem noch -Über die Freiheit- (On Liberty, 1859) rezipiert als wichtiger Klassiker des Liberalismus. Beide Arbeiten sind verhältnismäßig kurz und für ein größeres Publikum geschrieben. Das Kernstück einer utilitaristischen Theorie ist das normative Prinzip, dass jede/r in seinen Handlungen den Nutzen vermehren sollte. Soweit Handlungen einen selbst betreffen, soll man für sich das beste herausholen, soweit sie andere betreffen, für alle, für die man etwas tun kann. Das jeweils beste in einer Situation erreicht man mit der Handlungsalternative, in deren Folge als Konsequenz verglichen mit den anderen Möglichkeiten die Bilanz des Nutzens, nach Abzug der Kosten, die günstigste ist. Es kann also auch geboten sein, möglichst wenig Schaden anzurichten. Nutzen und Schaden lassen sich durch Bildung einer Summe kalkulieren. Mill versteht Nutzen dabei ganz hedonistisch: es kommt im Leben eines jeden Menschen darauf an, sich möglichst oft und möglichst lange in intensiv angenehmen Gefühlszuständen zu befinden – und die unangenehmen für sich und andere zu vermeiden. Bentham hat dafür den suggestiven Ausdruck vom -größten Glück der größten Zahl- geprägt. Trotz vieler massiver Kritik hat sich der Utilitarismus als Alternative zu aristotelisch inspirierter Tugendethik und kantischer Vernunftmoral erhalten und immer wieder Verteidiger gefunden. Außer in der Moralphilosophie haben utilitaristische Strömungen Einfluss in der politischen Philosophie und in der Nationalökonomie. Wo Entscheidungen, die viele Menschen betreffen, getroffen werden müssen, ist es naheliegend, wenigstens zum Teil danach zu urteilen, wie groß der Nutzen und wie groß der Schaden ist, den sie anrichten würden. Politisch gesehen war John Stuart Mill ein entschiedener Liberalist, dem die Freiheit der Einzelnen zu denken und tun, was sie wollen, soweit sie dabei anderen nicht schaden, ein hohes Ziel war. Jede/r sollte sich möglichst individuell entwickeln können, ohne von Konvention und Tradition dabei eingeschränkt zu werden. Solche beklagenswerten Einschränkungen sah er besonders im Leben der Frauen des 19. Jahrhunderts. In der Veranstaltung sollen -Utilitarianism- ganz und Teile von -On Liberty- in deutscher Übersetzung unter Rückgriff auf das Original gelesen werden. John Stuart Mill, On Liberty/Über die Freiheit, übersetzt von Bruno Lemke, hg. von Bernd Gräfrath, Stuttgart: Reclam, 2009. John Stuart Mill, Utilitarianism/Der Utilitarismus, übersetzt und hg. von Dieter Birnbacher, Stuttgart: Reclam, 2006. Roger Crisp, Routledge Philosophy Guidebook to Mill’s Utilitarianism, London/New York: Routldege, 1997. Jonathan Riley, Routledge Philosophy Guidebook to Mill on Liberty, Reihe: Routledge Philosophy Guidebooks, London/New York: Routledge, 1998. Technische Universität Dortmund SoSe 2012 Dr. phil. Herrmann Martina phil