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Uni-München
14. März 2017

Seminar Kategorien der Sprache 2 Pronomina

Pronomina stellen eine oft als gesonderte Wortart definierte linguistische Größe dar, die soweit bekannt in allen Sprachen der Welt vorkommt. Systematisch sind Pronomina der Dimension ‚Pro-Formen‘ zugeordnet, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die entsprechenden sprachlichen Zeichen auf eine konzeptuelle Größe...

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Pronomina stellen eine oft als gesonderte Wortart definierte linguistische Größe dar, die soweit bekannt in allen Sprachen der Welt vorkommt. Systematisch sind Pronomina der Dimension ‚Pro-Formen‘ zugeordnet, die dadurch gekennzeichnet ist, dass die entsprechenden sprachlichen Zeichen auf eine konzeptuelle Größe verwiesen ohne sie auf der Signifié-Seite (zumindest zur Gänze) zu beinhalten. Pro-Formen (und damit Pronomina) rekurrieren also in der Regel auf gegebenes Wissen (anaphorisch) oder stellen einen Hinweis auf ein nachfolgend vom Sprecher etabliertes Wissen dar (kataphorisch). Diese beiden Strategien sind sprachbezogen, d.h. der durch eine Pro-Form ausgelöste Wissensbezug ist sprachlich repräsentiert (Anaphorik). Wird mittels einer Pro-Form Bezug genommen auf einen zeitgleich zum Sprechakt gegebenen nichtsprachlichen Stimulus, handelt es sich um eine exophorische Strategie. Pronomina im eigentlichen Sinn spezifizieren dieses Wissen dahingehend, dass es sich jeweils um eine ‚referentielle‘ Einheit handelt, die sprachlich durch ein Nomen (oder eine Nominalphrase) ausgedrückt wird. Allerdings zeigt sich diese Spezifikation in der linguistischen Terminologie nicht durchgängig - oft genug werden auch solche sprachlichen Zeichen als Pronomina eingruppiert, die eigentlich zur Dimension etwa von Pro-Adverbien oder Pro-Adjektiven gehören. Zudem erfüllen auch einige Pronomina im klassischen Sinne wie etwa Personalpronomina wichtige Aspekte der genannten ‚Definition‘ nicht. Zudem ist zu beobachten, dass in vielen Sprachen der Welt Pronomina (mit welchem Umfang auch immer) eine eher separate ‚Formklasse‘ bilden, d.h. über Markierungstechniken etwa in Bezug auf Kasus und Numerus verfügen, die sich von denen für Nomina ganz oder teilweise unterscheiden. Versuche zur Typologie und Semantik von Pronomina müssen also über ein relativ großes Spektrum an Beobachtungsparametern operieren, die Aspekte der Formseite (signifiant) genauso einbeziehen wie die semantisch-konzeptuelle Dimension (signifié) und die das ‚Verhalten‘ von Pronomina in syntaktischen Strukturen ebenso berücksichtigen und typisieren wie der Bau derjenigen Paradigmata, die durch Pronomina konstituiert werden (Kategorisierung). Die sich aus diesen Ausgangspunkten ergebenden Fragen sollen im Seminar aufeinander bauend besprochen werden. Dabei kommt es wesentlich darauf an, das ‚Verhalten‘ und die ‚Bedeutung‘ von Pronomina in typologischer Hinsicht zu betrachten, d.h. anhand eines hier natürlich nur illustrierenden Sample von möglichst divergenten Sprachen zu diskutieren. Der Tradition des Faches an der LMU entsprechend soll die kognitive Linguistik eine wesentliche Rolle in der semantischen Analyse spielen, wobei auch das Moment der Grammatikalisierung hin zu Pronomina (-woher kommen Pronomina eigentlich?-) und von Pronomina weg (-was kann aus Pronomina werden?-) eine wichtige Rolle spielen wird. Erwartet wird die Bereitschaft zur Diskussion und zur Kurzpräsentation der pronominalen Systeme einzelner ausgewählter Sprachen (eine entsprechende Sprachenliste wird in der ersten Sitzung vorgestellt). Literatur wird zum Beginn der Veranstaltung genannt. C3-Professur für Allgemeine Sprachwissenschaft (Univ. Prof. Dr. Wolfgang Schulze) MA CCL (P 4.2): Klausur (80 - 120 Min.) oder Hausarbeit (44.000 - 56.000 Zeichen) oder Projektstudie (60 Stunden). 6 ECTS-Punkte. Bestanden / nicht bestanden. Die Wahl der Prüfungsform liegt beim Dozenten. LMU München SoSe 2015 Prof.Dr. Schulze Wolfgang