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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Kuhn 8211 Struktur wissenschaftlicher Revolutionen

Kuhns Struktur wissenschaftlicher Revolutionen ist nicht nur ein -Klassiker- der Wissenschaftsphilosophie, es stellt auch einen -paradigmatischen Wandel- im Verständnis der Wissenschaft und der Philosophie der Wissenschaft dar. Vor Kuhn war man von der grundsätzlichen Trennung von Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie überzeugt...

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Kuhns Struktur wissenschaftlicher Revolutionen ist nicht nur ein -Klassiker- der Wissenschaftsphilosophie, es stellt auch einen -paradigmatischen Wandel- im Verständnis der Wissenschaft und der Philosophie der Wissenschaft dar. Vor Kuhn war man von der grundsätzlichen Trennung von Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie überzeugt und unterschied strikt den Entdeckungszusammenhang und den Begründungszusammenhang von wissenschaftlichem Wissen. Während man der Wissenschaftsgeschichte eine Ausrichtung auf Tatsachenfragen unter Berücksichtigung des Entdeckungszusammenhangs zuschrieb (context of discovery), bei dem soziale und psychologische Bedingungen eine wichtige Funktion erlangen, bestand die Aufgabe der Wissenschaftstheorie hingegen in einer abstrakten formalen Kennzeichnungen des wissenschaftlichen Forschungsvollzugs. Die Geltungsproblematik steht dabei im Vordergrund. Es geht um die Frage nach der Rechtfertigung wissenschaftlicher Erkenntnisse (context of justification); um die Darlegung der Prinzipien und Regeln wissenschaftlichen Erkennens und Handelns. Die Rationalitätsstandards der Wissenschaft sollen angegeben werden. Kuhns Ansatz unterscheidet sich deutlich von dieser Vorgabe. So vollzieht er auch die Trennung von Beobachtung und Theorie nicht mit. Seine Konzeption ist durch die Stichworte wie -theoriengeleitete Beobachtung- oder -Erkenntnisinteresse- geprägt. Statt auf die logische Analyse fertiger Theorien setzt er auf die Untersuchung des Fortschritts des Wissens, der Mechanismen des Theorienwandels (Paradigmenwechsels). Während für Popper eine Logik der Forschung herrscht, erkennt Kuhn eine Psychologie der Forschung. Poppers Konzept der kritikoffenen Wissenschaft wandelt sich so in das Bild einer Wissenschaft als dogmatischem Herrschaftsgefüge. Text: T.S. Kuhn: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen, Frankfurt a. M. (suhrkamp) 1991 Einführende Literatur (Auswahl): J. B. Cohen: Revolution in Science, Cambridge, London, 1985. K. Bayertz: Wissenschaftstheorie und Paradigmabegriff, Stuttgart (Metzler), 1982 W. Diederich: Theorien der Wissenschaftsgeschichte, Frankfurt a. M. (suhrkamp) 1974. FB 02 Institut für Philosophie Uni Kassel SoSe 2011 Philosophie HF FB 02 Institut für Philosophie Prof. Dr. Dr. Köchy Kristian