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Uni-München
14. März 2017

Seminar Literatur über die deutsche Sprache A1

Im Jahr 1959 löste George Steiner heftige Proteste in den deutschsprachigen Feuilletons aus, als er erklärte, dass die deutsche Sprache sich nie wieder vom Nationalsozialismus erholen werde: -Use a language to conceive, organize and justify Belsen; use it to make...

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Im Jahr 1959 löste George Steiner heftige Proteste in den deutschsprachigen Feuilletons aus, als er erklärte, dass die deutsche Sprache sich nie wieder vom Nationalsozialismus erholen werde: -Use a language to conceive, organize and justify Belsen; use it to make out specifications for gas ovens; use it to dehumanize man during twelve years of calculated bestiality. Something will happen to it. Something of the lies and sadism will settle in the marrow of language.- Im Zentrum dieses Seminars steht die deutsche Sprache nicht nur als Mittel, sondern vor allem als Gegenstand literarischer Beschreibung, publizistischer Polemik und nicht zuletzt sprachphilosophischer Reflexion im 20. Jahrhundert. Der Schwerpunkt wird auf Texten liegen, die irgendwo zwischen dem literarischen und dem sprach- oder sozialphilosophischen Diskurs zu situieren wären. Wir lesen autofiktionale Texte, die verstörende Erfahrungen mit der deutschen Sprache thematisieren und sie aus der Perspektive einer anderen, in einer anderen Sprache beschreiben: Primo Levi, Georges-Arthur Goldschmidt und der bereits zitierte George Steiner. Wir analysieren Texte deutschsprachiger Schriftsteller jüdischer Herkunft, die ihre eigene Sprache als fremde reflektieren: Peter Weiss, Ruth Klüger, Elias Canetti. Vor dem Hintergrund der Geschichte des 20. Jahrhunderts lesen wir außerdem Grundlagentexte einer allgemeinen Theorie sprachlicher Gewalt: Louis Althusser, Michel Foucault, Pierre Bourdieu, Jacques Derrida, Judith Butler. Während wir das Verhältnis von Geschichte, Sprache und Gewalt aus verschiedenen Perspektiven beleuchten, geht es, methodisch betrachtet, immer wieder um die Frage nach einem geeigneten Umgang mit theoretischen und literarischen Aspekten bei der literaturwissenschaftlichen Arbeit. Theorien lassen sich bekanntlich nicht unbedingt heranziehen, um sie gezielt auf Erzählungen anzuwenden - etwa wie man die Bedienungsanleitung einer fremden Maschine zunächst studiert um sie in die Praxis umzusetzen. Die Zusammenstellung des Seminarplans beruht vielmehr auf der Annahme, dass theoretische Texte sich stets auch literarischer Verfahren bedienen und dass umgekehrt auch literarische Texte auf ihre theoretischen Implikationen hin gelesen werden müssen. Erwartet wird regelmäßige Anwesenheit und aktive Mitarbeit sowie die Bereitschaft, die Mitverantwortung für eine Sitzung zu übernehmen. ECTS: BA HF: 6 ECTS (Hausarbeit, benotet) SLK:3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet), 6 ECTS (Hausarbeit, benotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie. Wenn Sie eine Hausarbeit im Nebenfach SLK schreiben möchten, sprechen Sie bitte vorab mit der Studiengangskoordination SLK! B.A.-Nebenfach SLK Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München WiSe 1617 Dr. Willner Jenny