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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Seminar M Merleau Ponty Phänomenologie der Wahrnehmung

In seinem Hauptwerk -Die Phänomenologie der Wahrnehmung- liefert Merleau-Ponty eine vollständige phänomenologische Analyse der Welt, mit der er Husserls Forderung -Zu den Sachen selbst- zu einem Ende bringen möchte. Ausgangspunkt von Merleau-Ponty ist die Beschreibung der Erfahrung vor jeder erkenntnistheoretischen...

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In seinem Hauptwerk -Die Phänomenologie der Wahrnehmung- liefert Merleau-Ponty eine vollständige phänomenologische Analyse der Welt, mit der er Husserls Forderung -Zu den Sachen selbst- zu einem Ende bringen möchte. Ausgangspunkt von Merleau-Ponty ist die Beschreibung der Erfahrung vor jeder erkenntnistheoretischen Konstruktion. Welt ist also nach Merleau-Ponty ein Phänomen, das es nicht zu konstruieren, sondern zu beschreiben gilt. Damit einher geht die Annahme, dass objektive Erkenntnis ohne jegliche Vorurteile nicht möglich ist. Es gibt für Merleau-Ponty also keine eigenständigen, einheitlichen Empfindungen, Eindrücke oder Erkenntnisse, die erst nachträglich durch Assoziationen in einen Zusammenhang gestellt würden. Die Erfahrung der Welt, die Wahrnehmung, ergibt sich nämlich nicht aus einer nachträglichen Zusammenstellung zuvor unabhängig voneinander vorhandener Elemente, vielmehr stellt Welt eine allem einzelnen vorangehende ursprüngliche Totalität dar. Die Wahrnehmung kann daher weder vom Empirismus noch von einer idealistischen Transzendentalphilosophie erklärt werden, da beide von ihr abstrahieren und vergessen, dass die Wahrnehmung konkret und an einen Sinn gebunden ist, der sich im Verhältnis des eigenen Körpers zur Welt ergibt. Bezeichnend für dieses Verhältnis ist die Struktur Objekt-Horizont: Alle Objekte zeigen sich erst auf einem Hintergrund, einem Horizont. Der Horizont jedoch ist, anders als das jeweilige Objekt, transzendent (so wie auch ein richtiger Horizont eben niemals zu erreichen ist). So kann es auch in der Erfahrung der Welt nicht zu einer Betrachtung dieser als gesondertes Objekt kommen, da der Körper sich immer mitten in ihr befindet und durch sein Verhalten mit ihr kommuniziert. Dementsprechend lässt sich die Welt nicht auf gesonderte Eigenschaften beschränken, sondern bildet immer ein Milieu, dessen Bestandteile miteinander verbunden sind, so wie es z.B. nicht die bloße Eigenschaft rot gibt, sondern nur einen roten Teppich oder Himmel. Dem entspricht die Darstellung der Wahrnehmung als phänomenologisches Feld, in dem das Wahrgenommene aufeinander verweist und angewiesen ist und welches der Haltung und Bewegung des Körpers angemessen und nur von diesem her verständlich ist. So wird etwa Räumlichkeit nie als starr-geometrisch erfahren, sondern ist stets durch die Situation des eigenen Körpers bedingt, und auch die Wahrnehmung der Dinge ist immer von ihrer Bedeutsamkeit, ihrem Sinn, für den eigenen Körper bestimmt, während eine objektive Wahrnehmung nur abstrakt, also reduktionistisch, gedacht werden kann. Diese Sinnhaftigkeit ist aber kein Subjektivismus, denn der Körper ist immer schon in der Welt engagiert, die ihn transzendiert, und der Umgang mit anderen, die nicht bloß Objekte sind, ist eine unausweichliche Dimension der Existenz. Um ihr gerecht zu werden, bedarf es eines neuen Cogito, das nicht mehr ein cartesianisches Subjekt setzt, sondern über die Erfahrung der Zeit als Modus der Wahrnehmung, nicht als objektiver Ablauf, das Ich als in einer Welt situiertes Phänomen begreift, in dem Welt wie Ich aneinander gebunden sind, da sie, ohne dass das eine das andere verursacht, einander durchgehend motivieren. Im Seminar werden ausgewählte Kapitel in Auszügen gelesen, diskutiert und erläutert. Philosophie (BA, PO 2013) Kernfach Die Bereitschaft zur Lektüre des (recht umfangreichen) Primärtextes in Auszügen muss vorhanden sein! Aktive Teilnahme wird über Textzusammenfassungen erbracht. Universität Düsseldorf WiSe 2015/16 Seuchter Tim