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Uni-Dortmund
14. März 2017

Seminar mein schreibtisch ist gedeckt für alle Formen und Funktionen kulinarischer Poesie ENTFÄLLT

Die Beziehungen zwischen Literatur resp. Kunst und Kochen sind vielfältig. Man denke z.B. an Meret Oppenheims ‚Pelztasse’, Daniel Spoerris ‚Eat Art’ oder Diter Rots -Literaturwürste-. Wir sprechen von ‚Kochkunst’ oder sagen, wenn wir ein Gericht nicht einfach nur ‚lecker’ finden,...

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Die Beziehungen zwischen Literatur resp. Kunst und Kochen sind vielfältig. Man denke z.B. an Meret Oppenheims ‚Pelztasse’, Daniel Spoerris ‚Eat Art’ oder Diter Rots -Literaturwürste-. Wir sprechen von ‚Kochkunst’ oder sagen, wenn wir ein Gericht nicht einfach nur ‚lecker’ finden, es sei ‚ein Gedicht’. Lange vor dem derzeitigen Gastro-Boom zeigte sich die Zeitschrift Essen & Trinken derart kulturbeflissen, dass sie dem -Rezept des Monats- ein -Gedicht des Monats- zur Seite stellte, das von Wolf Uecker jeweils mehr schlicht als recht kommentiert wurde. Die Herstellung einer Beziehung zwischen beiden via Rezept hat eine lange Tradition, die bis zur antiken Regelpoetik zurückreicht, ihrerseits eine Rezeptologie reinsten Ausmaßes. Noch bei Gottsched heißt es: -Zu allererst wähle man sich einen lehrreichen moralischen Satz [...]. Hierzu ersinne man sich eine ganz allgemeine Begebenheit- usw. Ebenfalls bis in die Antike zurück reicht die sog. Speisemetaphorik, durch die nicht nur das Schreiben, sondern auch das Lesen des Geschriebenen als Form ‚mentaler Einverleibung’ ins Bild gesetzt wird. Bereits in der Bibel ist von ‚geistiger Nahrung’ die Rede, im Mittelalter vom ‚Gaumen des Geistes’, dem der ‚Käse der Allegorie’ allerdings nur bedingt schmeckt! Spuren der Speisemetaphorik finden sich noch heute bis in die Alltagssprache hinein – ein dickleibiges (!) literarisches Produkt eher minderer Qualität wird als ‚Schinken’ bezeichnet, ein in Schweinsleder gebundenes altes Buch als ‚Schwarte’. Literarische Produkte werden, je nach ihrer Zugehörigkeit zur E- oder U-Literatur, als schwer- oder leichtverdaulich eingeschätzt usw. Im Seminar behandelt werden Texte unterschiedlicher Gattungen, in denen einzelne Nahrungsmittel besungen, Zubereitungen beschrieben, Listen von Speisenfolgen präsentiert werden. Das Spektrum der Beispiele reicht vom antiken Listengedicht bis zum zeitgenössischen Gastro-Krimi. Ausflüge in die Medienwelt gelten u.a. dem ‚perfekten Dinner’, das unter dem Aspekt der Sprachkritik analysiert wird. Ein Ordner mit Materialien wird im EWS bereitgestellt. Deutsch LABG2009 SoPä Technische Universität Dortmund WiSe 2013/14 Deutsch LABG2009 HRG Univ.-Prof. Dr. phil. Kühn Renate phil