Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Memento mori Ethische Herausforderungen im Umfeld von Sterben und Tod

Die moderne Medizin hat in ihrer entschiedenen Krankheits- und Todesabwehr ohne Zweifel beachtliche Erfolge erzielt: Die Lebenserwartung konnte in den Ländern der westlichen Kultur in den letzten hundert Jahren verdoppelt, die Kindersterblichkeit dramatisch gesenkt werden. Viele infektiöse Krankheiten, die in...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Die moderne Medizin hat in ihrer entschiedenen Krankheits- und Todesabwehr ohne Zweifel beachtliche Erfolge erzielt: Die Lebenserwartung konnte in den Ländern der westlichen Kultur in den letzten hundert Jahren verdoppelt, die Kindersterblichkeit dramatisch gesenkt werden. Viele infektiöse Krankheiten, die in früheren Zeiten unzähligen Menschen das Leben kosteten, sind bei uns praktisch ausgerottet. In den Industriestaaten hat die Medizin dem früher so unberechenbaren und kein Lebensalter verschonenden Einbruch des Todes weitgehend Einhalt geboten. Zwar hat sie das Sterbenmüssen nicht beseitigt, es aber im Allgemeinen so weit hinausgezögert, dass Sterben gemeinhin mit einem hohen Alter assoziiert wird. In Folge dessen hatte sich seit den 50er Jahren des 20. Jahrhundert in den Industriestaaten der Umgang mit dem Tod, den Toten, dem Leichnam, dem Abschiedsschmerz und der eigenen Trauer grundlegend gewandelt. Unsere Gesellschaft hat es im Großen und Ganzen verlernt, mit dem Thema der eigenen Endlichkeit umzugehen, und Wissen, Strategien und Kenntnisse, die kulturelles Traditionsgut bis weit in die Neuzeit hinein bildeten, verloren. Haben in früheren Zeiten Dichter, Komponisten und darstellende Künstler in hunderten von Variationen den Tod und sein furchterregendes Geheimnis mit ihren Mitteln darzustellen versucht, sind die Todessurrogate der Moderne weit entfernt von einem solchen Memento mori, das den Philosophen als die eigentliche Quelle sowohl der Ars vivendi als auch der Ars moriendi galt. Ethische Fragen, mit denen sich das Seminar beschäftigen möchte, sind: Wie stirbt man eigentlich? Was ist humane Sterbebegleitung? Wie kann man Menschen helfen, die trauern? Was bedeutet -Sterben in Würde-? Angesichts der (immer wieder) aktuellen Diskussion um die (aktive) -Sterbehilfe- werden auch medizinethische Aspekte im Grenzbereich von Leben und Tod erörtert werden. • Philippe Ariès: Geschichte des Todes. 11. Auflage. München 2005 • Thorsten Benkel: Die Verwaltung des Todes. Annäherungen an eine Soziologie des Friedhofs. Berlin 2012 • Gian Domenico Borasio: Über das Sterben. Was wir wissen. Was wir tun können. Wie wir uns darauf einstellen. München 2011 • Arthur E. Imhof: Die Kunst des Sterbens. Wie unsere Vorfahren sterben lernten. Impulse für heute. Stuttgart 1998 • Alexander Lohner: Der Tod im Existentialismus. Eine Analyse der fundamentaltheologischen, philosophischen und ethischen Implikationen. Paderborn 1997 • Elisabeth Kübler-Ross: Interviews mit Sterbenden. Kreuz Verlag, Stuttgart 1971 Eine ausführliche Literaturliste wird in der ersten Sitzung verteilt werden. Bemerkung • MPO 2006: L3/M37 (Sozialethik); L4/M37 (Sozialethik) • MPO 2011 u. 2013: Aufbaumodul II M9/III Spezielle Ethik FB 02 Institut für Katholische Theologie Uni Kassel SoSe 2015 Lehrveranstaltungspool FB 02 Kat. Religion NF Prof. Dr. Dr. Lohner Alexander