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Uni-Düsseldorf
14. März 2017

Seminar Moralischer Fortschritt

Die Frage, ob die Veränderungen menschlicher Vorstellungen von -richtig- und -falsch- bzw. der davon geprägten sozialen Verhältnisse insgesamt ein -Fortschreiten zum Besseren- (Kant), eine -Vervollkommnung des Menschengeschlechts- (Condorcet) darstellen, provoziert gänzlich widersprüchliche Intuitionen, die ihrerseits durch Verweise auf unterschiedlichste historische...

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Die Frage, ob die Veränderungen menschlicher Vorstellungen von -richtig- und -falsch- bzw. der davon geprägten sozialen Verhältnisse insgesamt ein -Fortschreiten zum Besseren- (Kant), eine -Vervollkommnung des Menschengeschlechts- (Condorcet) darstellen, provoziert gänzlich widersprüchliche Intuitionen, die ihrerseits durch Verweise auf unterschiedlichste historische Begebenheiten unterstützt werden können. Nicht mehr revidierbar erscheinende Entwicklungen wie die Abschaffung der Sklaverei in Nordamerika drängen sich als Beispiele für tatsächlichen Fortschritt auf, während die Kriege und Genozide des 20. Jahrhunderts eine Einförmigkeit der Menschheitsentwicklung hin zum Besseren als unhaltbar erscheinen lassen. Dass das Vorliegen von Fortschritt sowohl in der Moral als auch in anderen Bereichen (Wissenschaft, Technik, Medizin, Kunst…) kontrovers diskutiert werden kann, liegt an der mit dem Begriff des Fortschritts selbst verbundenen Wertfrage, ob eine Entwicklung als wünschenswert oder einem Ziel zuträglich anzusehen ist. Wenn von -moralischem Fortschritt- dann aber doch noch zögerlicher als von -wissenschaftlichem- oder -technischem Fortschritt- die Rede ist, mag das daran liegen, dass moralische Ziele noch strittiger sind als diejenigen von Wissenschaft bzw. Technologie. Während ein objektiv feststellbarer Fortschritt in der Moral am ehesten mit der Position des ethischen Realismus vereinbar scheint, für den es subjektunabhängige moralische Tatsachen in der Welt gibt, die ebenso entdeckt – und nicht erfunden – werden müssen, wie die Realitätsbereiche, denen sich die empirischen Wissenschaften widmen, ist die Idee des moralischen Fortschritts auch für einige Antirealisten attraktiv. Das vielleicht konsensfähigste Bestimmungsmerkmal moralischen Fortschritts scheint relativ unabhängig von der Position in der ontologischen Frage die Expansion des Anwendungsbereichs moralischer Normen zu sein, etwa bis zur Einbeziehung aller empfindungsfähigen Lebewesen, wie sie beispielsweise Peter Singer in -The Expanding Circle- anvisiert. Im Seminar werden wir uns mit historischen und zeitgenössischen Antworten auf die Frage nach der Möglichkeit moralischen Fortschritts beschäftigen und dabei unter anderem folgende Fragen erörtern: Welche Begriffe von moralischem Fortschritt sind in der Philosophiegeschichte wirksam und welchen Vorstellungen über das fortschreitende Subjekt, Kriterien für Fortschrittlichkeit und sonstigen (meta-)ethischen Grundannahmen sind sie jeweils verpflichtet? Kann die Rede von moralischem Fortschritt beanspruchen, mehr als bloße Rhetorik zu sein oder ist jede Fortschrittsbehauptung letztlich übersetzbar in Äußerungen persönlicher Zustimmung zu einem objektiv nicht als fortschrittlich auszuweisenden Vorgang? Welche Rolle spielt der Glaube an moralischen Fortschritt für die Motivation zu moralischem Handeln? Wird moralischer Fortschritt durch die philosophische Disziplin Ethik wesentlich vorangetrieben oder wird die Rolle von philosophischen Moralexperten eher überschätzt? wird im Seminar bekanntgegeben. Philosophie (Master, PO 2013) Universität Düsseldorf WiSe 2015/16 Albersmeier Frauke