Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Moraltheologische Herausforderungen aus der zeitgenössischen Literatur Belletristik
Jahrhunderte lang erschienen Religion und Literatur als zwei Größen, die überhaupt nicht getrennt zu denken, vielmehr zweifach miteinander verbunden waren: Einerseits berufen sich alle großen religiösen Traditionen auf heilige Schriften, die selbst einen hohen weltliterarischen Rang einnehmen - die hebräische...
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Jetzt Lernplan erstellenJahrhunderte lang erschienen Religion und Literatur als zwei Größen, die überhaupt nicht getrennt zu denken, vielmehr zweifach miteinander verbunden waren: Einerseits berufen sich alle großen religiösen Traditionen auf heilige Schriften, die selbst einen hohen weltliterarischen Rang einnehmen - die hebräische und die christliche Bibel, der Koran, die Bhagavad Gita, die Lehrreden des Buddha -, und andererseits haben Religionen - ihre metaphysischen Überzeugungen, ihre Ethik und ihr Kultus - die verschiedenen literarischen Gattungen und unzählige Werke der Weltliteratur inspiriert und beeinflusst.
Für unseren Kulturkreis kann man feststellen, dass Christentum und Literatur in den Zeitaltern der Vormoderne letztlich weitgehend (wenngleich nie vollständig) eine Einheit gebildet haben, und zwar so sehr, dass überhaupt erst im Zuge des Kunst- und Literaturverständnisses der Säkularisierung zu Beginn des 19. Jahrhunderts der Abgrenzungs-Begriff einer explizit -christlichen Literatur- sinnvoll geworden ist. Wenn es heute auch nur noch wenige Autoren geben dürfte, die sich einer explizit -christlichen Literatur- zuordnen würden, gibt es doch eine Reihe renommierter Autorinnen und Autoren, die - mal mehr, mal weniger deutlich - philosophische und theologische Fragen nach Schuld und Erlösung, nach dem Sinn von Leben und Tod usw. thematisieren. Die Belletristik ist eine der adäquatesten Manifestationen des Lebensgefühls der Menschen ihrer Zeit. Schon deshalb müssen Theologie und Verkündigung, welche den Menschen existentiell ansprechen wollen, sich mit der -schönen Literatur- befassen. Nachdem die Pioniere Romano Guardini, Hans Urs von Balthasar und Karl-Josef Kuschel den Weg geebnet haben, ist in den vergangenen rund 25 Jahren das Verhältnis von Literatur und Theologie ein vielbearbeitetes Thema geworden. Das Seminar möchte diese Verhältnisbestimmung für das Fach Theologische Ethik leisten. Wo und wie kreisen heutige Autoren beispielsweise um die Themen Sünde, Gnade und Erlösung? Wie behandeln sie aktuelle ethische Fragen (etwa der politischen Ethik, der Bioethik, der Sexualmoral usw.)?
Eine Literaturliste wird in der ersten Sitzung verteilt.
Bemerkung
Module: L3/M37 1. Teil; L3/M38 2. Teil
Studierende nach der alten Studienordnung können an der Veranstaltung teilnehmen.
FB 01 Institut für Katholische Theologie
Uni Kassel
SS 2009
Prof. Dr. Dr.
Lohner Alexander