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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Pädagogik und Sozialpädagogik unter dem Paradigma des Humankapitals

Über das, was in einer Gesellschaft geschieht, gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Etwas polemisch und grob eingeteilt könnte man die folgende Sichtweisen unterscheiden: • Die Sichtweisen der -Doku-Soaps-, -Reality-Shows-, der diversen -Bildzeitungen-, die sich dann in der Sichtweise des deutschen Stammtischs...

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Über das, was in einer Gesellschaft geschieht, gibt es unterschiedliche Vorstellungen. Etwas polemisch und grob eingeteilt könnte man die folgende Sichtweisen unterscheiden: • Die Sichtweisen der -Doku-Soaps-, -Reality-Shows-, der diversen -Bildzeitungen-, die sich dann in der Sichtweise des deutschen Stammtischs vereinigen. • Die Sichtweise der Menschen, die sich bemühen eine differenzierte und kritische Sicht zu entwickeln, indem sie aus verschiedenen Quellen schöpfen, die sie als seriös einschätzen. • Die Sichtweise der Gesellschaftswissenschaften. Diese Sichtweise hat den Anspruch -richtig- zu sein. Eine realistische Betrachtung zeigt jedoch sehr schnell, dass man es innerhalb dieser wissenschaftlichen Sichtweisen mit einer, teilweise enormen, Bandbreite an Variationen zu tun hat, die nicht wertfrei und nicht unabhängig sind. Das wirft einige Fragen auf: Sind diese drei Grundkategorien von Sichtweisen auf unsere Gesellschaft immer deutlich voneinander getrennt und wenn nicht wie beeinflussen sie sich gegenseitig? Wie kann man diese gegenseitigen Einflüsse erkennen? Wie gehe ich mit den verschiedenen wissenschaftlichen Sichtweisen um? Betrachte ich sie als gleichberechtigt und irgendwie alle als -wahr-? Nach welchen Kriterien kann ich mich für eine und gegen andere Sichtweisen entscheiden? Kann ich verschiedene Sichtweisen miteinander verbinden? Was ist oder welche Folgen hat es, wenn ich mich für eine Sichtweise und gegen die anderen Sichtweisen entscheide? In dem Seminar wird es um unser Bildungssystem und die Sozialarbeit und Jugendhilfe gehen. Es sollen drei -Sichtweisen- näher untersucht werden. Die Unterschiede sollen heraus gearbeitet werden und es soll diskutiert werden, ob Unklarheiten aus den Konzepten durch Elemente aus den anderen Konzepten geklärt werden können. Bourdieu : -Es gibt beispielsweise Verbindungen zwischen Begriffen oder zwischen Autoren, die man nicht herstellen darf, weil diese Begriffe oder Autoren Welten angehören, die sich gegenseitig ausschließen. Ich habe mein Leben lang Mesalliancen zwischen den Begriffen gestiftet, indem ich Cassirer mit Durkheim, Kant mir Marx, Weber mit Marx, Marx mit Durkheim usw. verbunden habe, und jedes Mal hatte ich das Gefühl, dass es ganz und gar gesellschaftliche Gründe waren, die die Leute daran hinderten zu sehen, dass diese Autoren dasselbe sagten oder die zwei Seiten einer Sache zum Ausdruck brachten.-[1] Konkret geht es um Gesellschaftsanalysen, die oft auch für Analysen der Sozialarbeit und der Jugendhilfe genutzt werden, die sich an folgenden wissenschaftlichen Konzepten orientieren: • Michel Foucaults Konzept der Gouvernementalität und der -Subjektivierung- • Neoliberale Theorien, vor allem der Begriff des Humankapitals und die daraus folgende Vorstellung vom -Arbeitskraftunternehmer- • Pierre Bourdieus Konzept des kulturellen und sozialen Kapitals • Richard Sennetts Analysen des -flexiblen Menschen- und der -Kultur des neuen Kapitalismus- Vorläufiger Themenplan: • Der gesellschaftliche Blick auf die Jugend und was hat das mit unserem Thema zu tun? • Der neoliberale Umbau des Sozialstaats am Beispiel der Jugendhilfe und des Bildungssystems. • Was bringt Foucaults Konzept der Gouvernementalität für das Verständnis gegenwärtiger Probleme der Jugendarbeit/Jugendhilfe. • Subjektivierung oder Bildung und Erziehung? • Was ist Humankapital und wie unterscheidet es sich von Bourdieus kulturellem und sozialem Kapital? • Bildung und Erziehung unter dem Paradigma des Humankapitals. • Empirische Befunde über die Jugendarbeit. • Was soll man tun in der Pädagogik und Sozialpädagogik/Sozialarbeit? [1] Bourdieu, P.: Satz und Gegensatz. Über die Verantwortung des Intellektuellen. Ffm. 1993 Baumann, Zygmunt: Gemeinschaften. Auf der Suche nach Sicherheit in einer bedrohlichen Welt. Ffm. 2009 Bourdieu, Pierre: Die feinen Unterschiede. Ffm.1982 Bourdieu, Pierre: Zur Soziologie der symbolischen Formen. Ffm. 1983 Bourdieu, Pierre: Sozialer Raum und -Klassen-. Lecon sur la lecon. Ffm. 1991 Bourdieu, Pierre: Die verborgenen Mechanismen der Macht. Schriften zur Politik & Kultur 1. Hamburg (1992) 2005 Bourdieu, Pierre: Wie die Kultur zum Bauern kommt. Über Bildung, Schule und Politik. Schriften zur Politik & Kultur 4. (2001) 2006 Bourdieu, Pierre: Ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital. In: ders.: Die verborgenen Mechanismen der Macht. Hamburg 1992, S. 49-75. Bourdieu, Pierre: Satz und Gegensatz. Über die Verantwortung des Intellektuellen. Ffm. 1993 Bröckling, Ulrich: Das unternehmerische Selbst. Soziologie einer Subjektivierungsform. Ffm. 2007 Bröckling, Ulrich; Krasmann, Susanne; Lemke, Thomas (Hg,): Gouvernementalität der Gegenwart. Studien zur Ökonomisierung des Sozialen. Ffm. 2000 Bröckling, Ulrich; Krasmann, Susanne; Lemke, Thomas (Hg,):Glossar der Gegenwart. Ffm. 2004 Brumlik, Micha: Advokatorische Ethik. Zur Legitimation pädagogischer Eingriffe.(1993) Berlin 2004 Foucault, Michel: Analytik der Macht. Ffm.2009 Foucault, Michel: Geometrie des Verfahrens - Schriften zur Methode Ffm. 2009 Keeley, Brian: Humankapital. Hg. OECD 2007 Kessl, Fabian: Der Gebrauch der eigenen Kräfte. Eine Gouvernementalität Sozialer Arbeit. München, 2005 Kommission für Zukunftsfragen der Freistaaten Bayern und Sachsen (Herausgeber): -Erwerbstätigkeit und Arbeitslosigkeit in Deutschland: Entwicklung, Ursachen, Maßnahmen- Teil I bis III 1996/1997 Quelle: http://www.bayern.de/Kommission-fuer-Zukunftsfragen-.1699/index.htm Marcuse, Herbert: Repressive Toleranz. In: Wolff, Moore, Marcuse: Kritik der einen Toleranz.(1965) Ffm. 1968 Münch, Richard: Globale Eliten, Lokale Autoritäten. Bildung und Wissenschaft unter dem Regime von PISA, McKinsey & Co. Ffm. 2009 Negt, Oskar: Arbeit und menschliche Würde. Göttingen 2001 Sennett, Richard: Der flexible Mensch. Die Kultur des neuen Kapitalismus. (1998) Berlin, 1998 Sennett, Richard: Respekt im Zeitalter der Ungleichheit. (2002) Berlin, 2002 Sennett, Richard: Die Kultur des Neuen Kapitalismus.(2004) Berlin, 2005 Sennett, Richard: Handwerk.(2008), Berlin, 2008 Sozialwissenschaften Referat, Hausarbeit oder Fachgespräch Prüfung: Ja Universität Duisburg-Essen WS 2009/10 Dipl. Soz.-Wiss. Schneid Theodor Soz Wiss