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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Politischer und sozialer Wandel in internationaler Perspektive aktuelle Entwicklungen in Bolivien

Mit der Regierungsübernahme von Evo Morales im Januar 2006 hat in Bolivien eine historische Zäsur stattgefunden. Der demokratische Wahlsieg von Morales, der nun als erster Präsident indigener Herkunft das höchste Amt im Staat bekleidet, ist auch das Ergebnis eines jahrzehntelangen...

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Mit der Regierungsübernahme von Evo Morales im Januar 2006 hat in Bolivien eine historische Zäsur stattgefunden. Der demokratische Wahlsieg von Morales, der nun als erster Präsident indigener Herkunft das höchste Amt im Staat bekleidet, ist auch das Ergebnis eines jahrzehntelangen politischen Mobilisierungs- und Emanzipationsprozesses der bis heute benachteiligten indigenen Bevölkerungsmehrheit. Um die innenpolitische Bedeutung dieses Regierungswechsels und die damit verbundenen Hoffnungen auf einen grundlegenden Wandel im Land sowie die politische Ausstrahlungskraft der Regierung Morales für andere Länder dieser Region verstehen zu können, ist es wichtig, sich nicht nur dem Fortschritt des aktuellen Reformprozesses zu widmen, sondern sich auch mit den politischen, ökonomischen und sozialen Entwicklungen, die diesem Umbruch vorausgingen, auseinander zu setzen. Einen Angelpunkt für den wahlpolitischen Erfolg von Morales bildet dessen anti-neoliberaler Diskurs. Bolivien zählt trotz seines natürlichen Ressourcenreichtums bis heute zu den ärmsten Staaten des lateinamerikanischen Kontinents und ist eines der am höchsten verschuldeten Entwicklungsländer. Für die Mehrheit der bolivianischen Bevölkerung hat sich das mit der Einführung von Marktwirtschaft und Demokratie verbundene Versprechen, Wohlstand für alle zu schaffen, nicht bewahrheitet. Im Gegenteil, Armut und vor allem die soziale Ungleichheit nahmen weiter zu. So erscheint es eingangs sinnvoll die 1982 einsetzende Übergangsphase Boliviens zu Demokratie und Marktwirtschaft genauer zu reflektieren. Im Zentrum des Seminars wird jedoch die Analyse der jüngeren gesellschaftspolitischen Konfliktdynamiken, die sich vor allem am herrschenden Wirtschafts- und Entwicklungsmodells (Privatisierung öffentlicher Güter, “Ausverkauf“ nationaler Ressourcen, wirtschaftliche und politische Einmischung von außen), dem Kokaanbau (Anti-Drogenpolitik vs. traditioneller Anbau und fehlende ökonomische Alternativen), der Landfrage sowie den lokalen und regionalen Autonomiebestrebungen entzündeten. Gleichzeitig soll der Versuch gemacht werden, die in dieser Hinsicht von der neuen Regierung unternommenen Reformanstrengungen einer ersten Bilanzierung zu unterziehen. Goedeking, Ulrich (2003): Politische Eliten und demokratische Entwicklung in Bolivien 1985-1996. Spektrum 72, Berliner Reihe zu Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in Entwicklungsländern, Berlin: LIT Verlag. Lessmann, Robert (2004): Zum Beispiel Bolivien, Lamuv-Verlag, Göttingen. Weiterführende Literatur wird zu Beginn des Semesters zur Verfügung gestellt. BemerkungEin Leistungsnachweis kann über eine regelmäßige Teilnahme und aktive Beteiligung an den Sitzungen sowie ein Referat und dessen schriftliche Ausarbeitung erworben werden. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SS2007 Politikwissenschaften Ernst Tanja