Uni-Kassel
17. Juli 2017Seminar Rechtschreibung fördern im sozialen Raum der Klasse
Rechtschreibförderung wird oftmals als Frage nach einem gezielten Trainingsprogramm verstanden, das Lücken und Lernrückstände ausgleichen soll. Die Förderprogramme sind meist wenig schriftfunktional ausgerichtet und haben kaum etwas mit den Texten zu tun, die die Kinder tatsächlich schreiben. Weil sie dysfunktional...
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Jetzt Lernplan erstellenRechtschreibförderung wird oftmals als Frage nach einem gezielten Trainingsprogramm verstanden, das Lücken und Lernrückstände ausgleichen soll. Die Förderprogramme sind meist wenig schriftfunktional ausgerichtet und haben kaum etwas mit den Texten zu tun, die die Kinder tatsächlich schreiben. Weil sie dysfunktional sind, können die Trainingsprogramme u.U. die Angst vor Fehlern sogar vergrößern. Kinder brauchen deshalb neben explizitem Rechtschreibunterricht Erfahrungen damit, wie sie beim Textschreiben die orthographischen Probleme lösen können. - Im Seminar wird deutlich werden, dass Lese-/Rechtschreibschwierigkeiten als Phänomene des Nicht-Lernens bei der kulturellen Aneignung von Schriftlichkeit verstanden werden müssen. In erster Linie müssen die Kinder Schreiberfahrungen machen, damit sie auf rechtschriftliche Probleme stoßen. Mit der Entdeckung der rechtschriftlichen Probleme in den Wörtern, die die Kinder in ihren Texten tatsächlich gebrauchen, können sie auch ein Interesse daran entwickeln, dass die Texte ohne Probleme gelesen werden können. Das ist dann der Ansatz für eine systematische Förderung der Rechtschreibfähigkeiten.
Ein solcher enger Zusammenhang von Textschreiben, Rechtschreiben und Rechtschreibförderung wird seit einigen Semestern an verschiedenen Kasseler Schulen zur Grundlage von Konzepten zur Rechtschreibförderung gemacht. Dabei sollen die Studierenden aus der rechtschriftlichen Analyse von Kindertexten lernen, wie ein solches individuelles Förderkonzept aussehen könnte und wie ein Förderprogramm für Kinder mit Rechtschreibschwierigkeiten strukturiert werden könnte.
Gleichzeitig wird dieses Seminar als Vorbereitungs- und Begleitseminar für das SPS angeboten. Die SPS-Studierenden sollen rechtschriftliche Aufgaben, wie sie im Seminar entwickelt werden, in den Klassen erproben. Voraussetzung dazu ist die Beobachtung und Diagnose von Rechtschreibfähigkeiten. Alle Studierenden werden deshalb zunächst mit der Hamburger Schreibprobe (HSP) ein hilfreiches Diagnoseverfahren kennenlernen. Anschließend werden Grundlagen der Orthographie des Deutschen vermittelt. Schließlich geht es um Konzepte zum Rechtschreiberwerb und um sinnvolle rechtschriftliche Aufgabenstellungen.
• Augst, Gerhard/Dehn, Mechthild (2007): Rechtschreibung und Rechtschreibunterricht. Können - Lehren - Lernen. Stuttgart: Klett.
• Kruse, Norbert (2012): Rechtschreibung unterrichten. Strukturen der Wortschreibung und Kompetenzorientierung. Grundschulunterricht Deutsch 3/2012, S. 4-11.
• Kruse, Norbert (2012): Kompetenzorientierte Aufgaben zum Rechtschreiblernen. Arbeit an orthographischen Prinzipien und mit eigenen Wörtern. Grundschulunterricht Deutsch 3/2012, S. 38 - 45.
• Kruse, Norbert/Reichardt, Anke (2010): Rechtschreibförderung im sozialen Raum der Klasse - Ergebnisse eines Lehrforschungsprojekts mit Studierenden. In: Heinzel, F./Panagiotopoulou, A. (Hrsg.): Qualitative Bildungsforschung im Elementar- und Primarbereich. Bedingungen und Kontexte kindlicher Lern- und Entwicklungsprozesse. Baltmannsweiler: Schneider-Hohengehren, S. 227 - 244.
Bemerkung
SprDid
FB 02 Institut für Germanistik
Uni Kassel
SoSe 2015
Lehrveranstaltungspool FB 02
FB 02 Institut für Germanistik
Prof. Dr.
Kruse Norbert