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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Riesenzwerge Böse teuflische unheimliche Kinder in der modernen Literatur

L’enfant, Victor Hugo et bien d’autres l’ont vu ange. C’est féroce et infernal qu’il faut le voir. D’ailleurs, la littérature sur l’enfant ne peut être renouvelée que si l’on se place à ce point de vue. Il faut casser l’enfant...

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L’enfant, Victor Hugo et bien d’autres l’ont vu ange. C’est féroce et infernal qu’il faut le voir. D’ailleurs, la littérature sur l’enfant ne peut être renouvelée que si l’on se place à ce point de vue. Il faut casser l’enfant en sucre [...]. (Jules Renard, 1890) [Victor Hugo und viele andere haben das Kind als Engel gesehen. Dabei muss man es als wild und teuflisch erkennen. Die Literatur über das Kind kann sich nur dann erneuern, wenn man diese Perspektive einnimmt. Wir müssen das Kind aus Zucker zerschlagen ...] Der französische Naturalist Jules Renard hat mit dem bösen Kind ‚Poil de Carotte’ (‚Karottenschopf’) (1894) eines der faszinierendsten Kinder in der modernen Literatur geschaffen. Sein Roman kann als Reaktion auf die Unschuldskinder romantischer Prägung verstanden werden. Renards Überlegungen zum verklärenden Kinderbild der Romantik sind zugleich programmatisch für die moderne Kindheitsmotivik: In der Moderne wird das Kind bedrohlich, böse, teuflisch, unheimlich. Warum eigentlich? Sind es die schlimmen Erfahrungen (Krieg, soziale und familiäre Probleme), sind es Vorbilder oder Kollektive – oder kann ein Kind von sich aus, von Anfang an böse sein? Diese Fragen sind im Seminar an die moderne Literatur zu stellen – bzw. diese Fragen stellt die Literatur selbst uns, die nach 1945 eine ganze Bandbreite negativer Kindfiguren entwirft. Im Seminar wird ein (notwendigerweise selektives) Panorama des bösen Kindes in der modernen Literatur erarbeitet. Besprochen werden u.a.: - Gedichte von Erich Kästner und Bertolt Brecht bis hin zu Reiner Kunze, Peter Hacks und Ulla Hahn - Kurzgeschichten von Heinrich Böll und Wolfdietrich Schnurre - Prosa und Lyrik von Marie Luise Kaschnitz - Gisela Elsners Die R iesenzwerge (1964) Teilweise wird der Blick über die deutschsprachige Literatur hinaus geweitet: Zum einen in Richtung französische Literatur – Jules Renards Poil de Carotte (1894), zum anderen in Richtung englische Literatur – William Goldings Lord of the Flies (1954) – und in Richtung Film (z.B. Lynne Ramsays We need to talk about Kevin , 2011 oder auch Stephen Kings Carrie (Brian de Palma, 1976?) Material: In einem Reader werden über Moodle die meisten Texte zur Verfügung stehen. Anzuschaffen sind Wi lliam Golding: Lord of the Flies (in deutscher Übersetzung) und Gisela Elsners Die Riesenzwerge. Bemerkung LitWiss Leistungsnachweis Prüfungsleistung: Hausarbeit, Klausur oder mündliche Prüfung (Allgemeiner Hinweis: Dies sind die im Rahmen dieser Veranstaltung angebotenen Prüfungsformate. Was Sie selbst für Module brauchen und inwiefern Sie also die hier angebotenen Prüfungsleistungen ‚einsetzen‘ können, müssen Sie bei Ihrer individuellen Studienplanung berücksichtigen.) FB 02 Institut für Germanistik Prüfungsleistung: Hausarbeit, Klausur oder mündliche Prüfung (Allgemeiner Hinweis: Dies sind die im Rahmen dieser Veranstaltung angebotenen Prüfungsformate. Was Sie selbst für Module brauchen und inwiefern Sie also die hier angebotenen Prüfungsleistungen ‚einsetzen‘ können, müssen Sie bei Ihrer individuellen Studienplanung berücksichtigen.) Uni Kassel SoSe 2015 Germanistik/Deutsch Germanistik/Deutsch Prof. Dr. Roßbach Nikola