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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Sanktion Gewalt und Identität

Der Kurs möchte zunächst eine Übersicht über die Soziologie der Sanktion und die Soziologie der Gewalt bieten. Die Sanktion ist dabei eng mit der Devianzsoziologie verwoben. Interaktionistische Fassungen der Devianzsoziologie wollten die Abweichung nicht mehr als Diskrepanz zwischen Regel und...

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Der Kurs möchte zunächst eine Übersicht über die Soziologie der Sanktion und die Soziologie der Gewalt bieten. Die Sanktion ist dabei eng mit der Devianzsoziologie verwoben. Interaktionistische Fassungen der Devianzsoziologie wollten die Abweichung nicht mehr als Diskrepanz zwischen Regel und Verhalten sehen, sondern nur dann von Abweichung reden, wenn eine Reaktion erfolgt ist; das liefert eine offenere Thematisierung der Abweichung. Auf dieser Basis wurde unter anderem formuliert, man solle die Ursachenfrage nicht mehr stellen; Fritz Sack nannte sie den -Warum-Rest-, der im Grunde aber unsoziologisch sei. Genau an diesem Punkt findet sich eine Überschneidung mit der -innovativen- Gewaltsoziologie, die die Frage nach den Ursachen der Gewalt ebenso -unsoziologisch- nannte, eine -Theorie des großen Gestus-, aber für die Analyse von Gewalt selbst nutzlos (von Trotha 1997). Beide nennen denselben Grund: Die Warum-Frage reproduziere die -alltagsmoralische- Ablehnung, die der Abweichung und der Gewalt entgegengetragen wird. Das wirft eine grundsätzliche Frage auf, wie die Soziologie solche Themenbereiche angehen soll. Ist die Soziologie eine gesellschaftsanalytische Version von klassischer Ursachenforschung - interessiert uns die -Warum-Frage- also nicht trotzdem, akzeptieren wir die Wertungen, die in ihr liegen, haben wir vielleicht letztlich keine andere Chance, als Wertungen zu reproduzieren? - oder sucht sie gesellschaftliche Prozesse der Zuschreibung, in denen Gruppen sich voneinander abgrenzen und so ihrer Identität gewahr werden? In dieser Diskussion, in diesen Abgrenzungsprozessen wird die Soziologie sich selbst gewahr. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WS 2008/2009 Soziologie Wirtschaftspädagogik Dr. Dellwing Michael