Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Dortmund
14. März 2017

Seminar Schelmenromane

Mit dem Schelmenroman fokussiert das Seminar einen Romantypus, dessen besondere Faszination wohl von seinem Reichtum an Ambivalenzen herrührt. So weist der Schelmenroman mit Wurzeln, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, in der europäischen Literatur einerseits lange Traditionslinien auf. Andererseits ist...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Mit dem Schelmenroman fokussiert das Seminar einen Romantypus, dessen besondere Faszination wohl von seinem Reichtum an Ambivalenzen herrührt. So weist der Schelmenroman mit Wurzeln, die bis ins 16. Jahrhundert zurückreichen, in der europäischen Literatur einerseits lange Traditionslinien auf. Andererseits ist er als ‚Roman von unten’ stets ein wenig randständig geblieben. Wenn es im Seminar darum geht, die Aktualität des Modells ‚Schelmenroman’ für die Literatur des späten 20. Jahrhunderts und der Gegenwart zu erkunden, dann folgt aus diesem Befund die Notwendigkeit, sich zunächst mit den unterschiedlichen genrekonstitutiven Charakteristika vertraut zu machen, bevor einzelne Texte einer exemplarischen Lektüre unterzogen werden können. Am Ende des Programms könnte dann der Versuch stehen, aus kulturwissenschaftlicher Perspektive Aussagen über die Konjunkturen des Genres zu treffen – und vielleicht bestätigt sich dabei die These vom besonderen Bezug zwischen Schelmenromanen und Phänomenen der Prekarität. Ausgehend von einer Lektüre von Auszügen aus den klassischen spanischen Schelmenromanen Lazarillo de Tormes, Guzmán de Alfarache und La picara Justina sowie einer eingehenden Auseinandersetzung mit Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausens Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch wird sich das Seminar schwerpunktmäßig auf Thomas Manns Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil, Irmtraud Morgners Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura und Peter-Paul Zahls Die Glücklichen konzentrieren. Zudem besteht die Möglichkeit, den Textkorpus um eine Vielzahl weiterer Texte zu ergänzen. PRIMÄRLITERATUR: Hans Jacob Christoffel von Grimmelshausen, Der abenteuerliche Simplicissimus Deutsch (1669), aus dem Deutschen des 17. Jahrhunderts übersetzt von Reinhard Kaiser, Frankfurt am Main: Eichborn 2009 (= Die andere Bibliothek 296/297); Thomas Mann, Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull. Der Memoiren erster Teil (1954), Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag 2010; Irmtraud Morgner, Leben und Abenteuer der Trobadora Beatriz nach Zeugnissen ihrer Spielfrau Laura (1974), München: Luchterhand Literaturverlag 2010 (= Sammlung Luchterhand 10); Peter-Paul Zahl, Die Glücklichen. Schelmenroman, Berlin: Rotbuch 1979. SEKUNDÄRLITERATUR: Matthias Bauer, Der Schelmenroman, Stuttgart-Weimar: J. B. Metzler 1994 (= Sammlung Metzler 282); Gerhart Hoffmeister, Der moderne deutsche Schelmenroman. Interpretationen, Amsterdam: Ropodoi 1986 (= Amsterdamer Beiträge zur Neueren Germanistik 20). Institut für deutsche Sprache und Literatur Technische Universität Dortmund SoSe 2013 Deutsch LPO2003 Lachmann Tobias