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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar SE Vertiefungskurs Wissenschaftstheorie Was heißt Methode in der Geschichtswissenschaft

Interdisziplinäres Theorieseminar in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut. Griechische Geschichtsschreibung hatte sich seit drei, vier Generationen entfaltet, als Aristoteles um 335 v. Chr. mit Blick vor allem auf die klassischen Tragödien formulierte, Dichtung sei etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung,...

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Interdisziplinäres Theorieseminar in Zusammenarbeit mit dem Historischen Institut. Griechische Geschichtsschreibung hatte sich seit drei, vier Generationen entfaltet, als Aristoteles um 335 v. Chr. mit Blick vor allem auf die klassischen Tragödien formulierte, Dichtung sei etwas Philosophischeres und Ernsthafteres als Geschichtsschreibung, denn sie teile mehr das Allgemeine mit, die Geschichtsschreibung hingegen das einzelne Besondere, das tatsächlich geschehen sei. Wie vermögen jedoch die rekonstruierenden Erzählungen der modernen Geschichtswissenschaft im Angesicht philosophisch kontrollierter Kriterien ihrem Anspruch, nach strikten methodischen Regeln auf Wirklichkeit zuzugreifen, Geltung zu verschaffen? Leopold von Rankes immer wieder zitierte Forderung nach der -strengen Darstellung der Tatsache-, um zu -zeigen, wie es eigentlich gewesen- (1824), zielte auf die Verpflichtung der Historiker auf die empirischen Grundlagen seiner Darstellung, die Quellen, so unwillkommen auch das Ergebnis sein möge. Aus den Anfängen der Bibelkritik in der Theologie war seit der Zeit um 1800 die historisch-philologische Methode der Quellenkritik zum Durchbruch gelangt. Monument und immer wieder aktualisierter Bezugspunkt der Arbeit an der -Erhebung der Geschichte zum Rang einer Wissenschaft- in Konkurrenz zu den aufblühenden Naturwissenschaften sind Johann Gustav Droysens Vorlesungen zur Methodologie der Geschichte (1857-1881), wo er den Anspruch auf eine spezifische hermeneutische Methode historischen Verstehens für seine Disziplin begründete. Durch die Neukantianer Windelband und Rickert wird um die Wende zum 20. Jh. die historische Methode vor diesem Hintergrund zu der leitenden Methode für alle geisteswissenschaftlichen Disziplinen erhoben. Im Wandel der Bestimmung und Bewertung des -Historismus- als einem zentralen Paradigma der Moderne spiegelt sich die Problematik des traditionellen Objektivitätsanspruchs historischer Forschung als Spannung zwischen methodischer Regelhaftigkeit historischer Erkenntnis und der Standortgebundenheit ihrer Erzählung. -Auch Klio [die Muse der Geschichtsschreibung] dichtet-, war 1986 der deutsche Titel von Hayden Whites exemplarisch provozierender Studie zur Rhetorik historischer Darstellung von 1978 – eine Umkehrung der Wertung in Aristoteles’ Gegenüberstellung von Fiktion und Wirklichkeit. Das Seminar will nicht allen Verästelungen der seit den 1980er Jahren wachsenden Methodenpluralität nachgehen, vielmehr an klassischen Texten von Philosophen und Historikern unterschiedliche Positionen in den Grundfragen sichten. Anforderungen: regelmäßige aktive Teilnahme, für einen Leistungsnachweis: Hausarbeit Zur vorbereitenden Lektüre (Semesterapparat 155 kant+vernunft): Chris Lorenz, Konstruktion der Vergangenheit. Eine Einführung in die Geschichtstheorie, 1997, Kap. I: Theorie der Geschichte – was ist das? Josef Meran, Historische Methode oder Methoden in der Historie? Eine Frage im Lichte der Methodologiegeschichte, in: Historische Methode, hg. von Christian Meier u. Jörn Rüsen (Theorie der Geschichte. Beiträge zur Historik Bd. 5), 1988, 114-129 Zur Anschaffung (zur raschen Orientierung bzgl. einschlägiger Probleme und ihrer Begrifflichkeit): Studienbuch Geschichte. Studium-Wissenschaft-Beruf, hg. von Gunilla Budde u.a., Akademie Verlag Berlin 2008, € 19.95 Lexikon Geschichtswissenschaft. Hundert Grundbegriffe, hg. v. Stefan Jordan, Reclam 2002, € 9,80 Philosophie Universität Duisburg-Essen SS 2010 Panteos Athena