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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Soziale Welten und Arenen zur Aktualität der Theorie von Anselm L Strauss

Bekannt geworden ist Anselm L. Strauss vor allem als Vertreter des qualitativen Methodenansatzes zur empirischen Erarbeitung einer Grounded Theory, den er in den 1960er Jahren gemeinsam mit Barney Glaser entwickelte. Weniger bekannt ist dagegen, dass Strauss auf der Grundlage seiner...

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Bekannt geworden ist Anselm L. Strauss vor allem als Vertreter des qualitativen Methodenansatzes zur empirischen Erarbeitung einer Grounded Theory, den er in den 1960er Jahren gemeinsam mit Barney Glaser entwickelte. Weniger bekannt ist dagegen, dass Strauss auf der Grundlage seiner empirischen Studien wichtige theoretische Konzepte vorgeschlagen hat, die in der Soziologie breite Anwendung finden können und speziell für die Analyse der komplex differenzierten und technologisch vernetzten Informations- und Kommunikationsgesellschaft vielversprechende Einsichten liefern. Von zentraler Bedeutung sind hier die Konzepte der Sozialen Welten und Arenen. Das Konzept der Sozialen Welten zielt auf die Beschreibung von Prozessen der Herausbildung solcher Gruppen, die nicht über wechselseitige Bekanntheit oder klare Mitgliedschaftsregeln, sondern nur noch über lockere Kommunikation und eine gemeinsame Kernaktivität zusammengehalten werden und damit kaum noch an räumliche Grenzen gebunden sind. Beispiele hierfür sind etwa Hobby-Welten (Angler, Tangotänzer_innen usw.), Online-Communities und Foren, Berufsgruppen u.v.m. Theoretisch von besonderem Interesse sind die sehr dynamischen Entwicklungen, etwa internen Differenzierungen, wechselseitigen Abgrenzungen, Kämpfe um Authentizität und Legitimität (etwa um die -wahre- Kunst des Angelns oder die -richtige- Medizin), die Strauss mit einigen allgemeinen Prozessmustern zu fassen versucht. Nicht zuletzt gehört dazu die Herausbildung von Sozialen Arenen, in denen Vertreter_innen verschiedener Welten ihre Anliegen und Konflikte politisch aushandeln. Im Seminar wollen wir uns mit den Schriften von Anselm L. Strauss breit auseinandersetzen, um ein fundiertes Verständnis seiner Theoriekonzepte zu erlangen. Durchgeführt werden aber auch kleinere Übungen zur Anwendung seiner Konzepte, die zu einem Bestandteil von Referatsausarbeitungen (Hausarbeiten) werden können. Literatur zur Einführung: • Lamla, Jörn (2010): Kultureller Kapitalismus im Web 2.0. Zur Analyse von Segmentations-, Intersektions- und Aushandlungsprozessen in den sozialen Welten des Internets. Zeitschrift für Qualitative Forschung (ZQF), Jg. 11, H. 1, S. 11-36. • Legewie, Heiner; Schervier-Legewie, Barbara (2004): -Forschung ist harte Arbeit, es ist immer ein Stück leiden damit verbunden. Deshalb muss es auf der anderen Seite Spaß machen.- Anselm Strauß im Interview mit Heiner Legewie und Barbara Schervier-Legewie. Vol. 5, No. 3, Art. 22. In: Forum Qualitative Sozialforschung. URL: http://www.qualitative-research.net/index.php/fqs/article/view/562. • Schütze, Fritz (2002): Das Konzept der sozialen Welt im symbolischen Interaktionismus und die Wissensorganisation in modernen Komplexgesellschaften. In: Keim, Inken; Kallmeyer, Werner (Hg.): Soziale Welten und kommunikative Stile. Festschrift für Werner Kallmeyer zum 60. Geburtstag. Tübingen: Narr, S. 57–83. • Strübing, Jörg (2007): Anselm Strauss. Konstanz: UVK (Klassiker der Wissenssoziologie, Bd. 4). FB 01 Institut für Erziehungswissenschaft Uni Kassel WiSe 2012/13 Kernstudium Prof. Dr. Lamla Jörn