Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Soziologische Filmanalyse

Filme betrachtet Morin (2010: 85) als einzigartige Ressource für die (Er-)Kenntnis über die Gesellschaft, als anthropologischer Spiegel der praktischen und imaginären sozialen Realitäten. Nach Mai und Winter (2006: 14) ist Filmsoziologie Gesellschaftsanalyse, die uns direkt zu den gesellschaftlichen Konflikten, Sinnstrukturen...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Filme betrachtet Morin (2010: 85) als einzigartige Ressource für die (Er-)Kenntnis über die Gesellschaft, als anthropologischer Spiegel der praktischen und imaginären sozialen Realitäten. Nach Mai und Winter (2006: 14) ist Filmsoziologie Gesellschaftsanalyse, die uns direkt zu den gesellschaftlichen Konflikten, Sinnstrukturen und Ideologien führt, die unser Handeln prägen. Filme sind allgegenwärtig, haben Einfluss auf das Alltagsleben (z. B. Sprache und Gesten), greifen Gefühle, Fantasien, Ängste, Probleme etc. auf und stellen dabei eine bestimmte soziale Realität dar. Doch auch der Film selbst ist an sich und als Kunst ein gesellschaftliches Phänomen, dessen sozialer, politischer, kultureller und ökonomischer Kontext analysiert werden kann, z. B. Produktion, Distribution, Rezeption und Interpretation von Filmen (Schroer 2008). Der Stellenwert von Filmen für die soziologische Analyse zeigt sich daran, dass u. a. auch Klassiker der Soziologie vom einzelnen Beitrag bis zu mehrere Bände zur gesellschaftlichen Bedeutung von Filmen, Kino und Kunst veröffentlicht haben: • Max Weber: Förderung und Stabilisierung der guten Gesellschaft. • Georg Simmel: Kunst und (Sozial-)Leben durchdringen sich wechselseitig. • Theodor Adorno: Film und Kino als Unterhaltungsschund für die amorphe und anspruchslose Masse. • Walter Benjamin: positive Wirkung von Kunst bzw. Film auf Massen im Sinne der Aufklärung. • Arnold Gehlen: Freiheitsgrade von Kunst bzw. Film entlasten das Bewusstsein der Massen. • Norbert Elias: Kunst macht Übergangszeiten bzw. Wandel sichtbar. • Siegfried Kracauer: Gesellschaft spiegelt sich im Film wider. • Gilles Deleuze: Differenzierung von Bewegungs-Bild und Zeit-Bild. Die bestimmte soziologische Perspektive der beispielhaft genannten Klassiker gilt es selbstverständlich in ihrem jeweiligen zeitlichen und sozialen Zusammenhang zu betrachten. Sie bieten jedoch auch Potential für die Analyse von Filmen der Gegenwart, z. B. bei der Analyse von Skandalfilmen (http://www.skandalfilm.net/). Empirisch können für die Filmanalyse das Bild, die im Drehbuch festgehaltene Sprache und das bewegte Zusammenspiel von Bild und Text analysiert werden. Im Seminar soll die theoriegeleitete Analyse an von den Studierenden selbst zu wählenden Filmen im Mittelpunkt stehen. Mai, Manfred und Winter, Rainer (2006): Kino, Gesellschaft und soziale Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Soziologie und Film. In: ders. (Hg.): Das Kino der Gesellschaft die Gesellschaft des Kinos: interdisziplinäre Positionen, Analysen und Zugänge. Köln: von Halem, S. 7-23. [UB Kassel BB 5: 25 Publ PB 0010] Schroer, Markus (2008): Einleitung: Die Soziologie und der Film. In: ders. (Hg.): Gesellschaft im Film. Konstanz : UVK, S. 7-13. [UB Kassel BB 5: 25 Publ PM 0037] FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel SoSe 2016 Soziologie HF Politik und Wirtschaft Zweitfach Schneijderberg Christian