Uni-München
14. März 2017Seminar Streit um die wahre Religion und die wahre Weisheit Tertullian und Origenes und die pagane philosophische Kritik am Christentum
Im Fokus dieses Seminars steht die grundlegende, mitunter spannungsreiche, aber zugleich auch schöpferische Konstellation von Religion(en), Kultur und Philosophie - und zwar in der konkreten Form, wie sie von den beiden Theologen Tertullian und Origenes in ihren apologetisch-theologischen Hauptwerken jeweils...
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Jetzt Lernplan erstellenIm Fokus dieses Seminars steht die grundlegende, mitunter spannungsreiche, aber zugleich auch schöpferische Konstellation von Religion(en), Kultur und Philosophie - und zwar in der konkreten Form, wie sie von den beiden Theologen Tertullian und Origenes in ihren apologetisch-theologischen Hauptwerken jeweils wahrgenommen, interpretiert und gedanklich bearbeitet wird.
In der hellenistisch-römischen Kultur und in den Philosophien der Kaiserzeit des 2. und 3. Jahrhunderts werden die Traditionen der gelebten Religion als kulturelles Gedächtnis einer ursprünglichen Weisheit und als Quelle philosophischen Denkens verstanden und interpretiert. Vor diesem Hintergrund unterzieht der pagane Philosoph Celsus gegen Ende des 2. Jahrhunderts die christliche Religion einer fundamentalen Kritik, indem er in seinem Werk -Der wahre Logos- (Alethes Logos) zentrale theologische Aussagen des Christentums und dessen interpretativen Umgang mit dem Neuen und Alten Testament grundlegend zu desavouieren und zu destruieren versucht. Im öffentlichen Raum der paganen Mehrheitsgesellschaft sind zudem Stimmen verbreitet, die das Christentum als kulturelle Barbarei und als politischen Gefahrenherd ansehen und disqualifizieren. In der Auseinandersetzung mit dieser Gemengelage entstehen im 2. und 3. Jahrhundert christlicherseits zahlreiche interessante apologetisch-theologische Werke, darunter Tertullians Apologeticum (ein sprachlich-rhetorisches Meisterwerk apologetischer Couleur) und Origenes‘ große Enzyklopädie christlicher Apologetik Contra Celsum. In beiden Werken geht es - in je verschiedener Weise - um eine Verhältnisbestimmung von christlicher Theologie und (paganer) Philosophie, von Christentum und hellenistisch-römischer Kultur, von christlichem Religionsverständnis und den griechisch-römischen Religionstraditionen, von Kirche und -Staat- qua Imperium Romanum. Die beiden theologischen Denker entwickeln dabei im Umgang mit der paganen Kultur und Philosophie kreative sprachliche und argumentative Strategien und Denkformen der Rezeption, der Relecture, der Usurpation und der integrativen Aneignung sowie der Kritik und Ablehnung. Sie schaffen damit einen überaus interessanten und wirkmächtigen Beitrag zu einer Syntheseform von Christentum und antiker Philosophie, die in der abendländischen Kultur- und Geistesgeschichte bis heute prägend ist und mit der sich zu beschäftigen sich nach wie vor ungebrochen lohnt.
C4-Professur für Kirchengeschichte des Altertums und Patrologie (Univ. Prof. Dr. Roland Kany)
Nicht modul.: Mit Referat und Seminararbeit kann ein Seminarschein erworben werden.
Modul.: Mit Referat und Seminararbeit können 3 ECTS-Punkte erworben werden
LMU München
SoSe 2016
Schneider Peter