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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Teilnehmende Beobachtung Einstieg in die ethnographische Forschung

Ethnografie ist eine interpretative, holistische und -eintauchende- Form der sozialwissenschaftlichen Forschung. In der Forschungspraxis der -teilnehmenden Beobachtung- verbringen Forscher eine längere Zeit in einem zu erforschenden Feld, um eine Innenansicht zu gewinnen. In erster Linie geht es darum, zu vermeiden,...

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Ethnografie ist eine interpretative, holistische und -eintauchende- Form der sozialwissenschaftlichen Forschung. In der Forschungspraxis der -teilnehmenden Beobachtung- verbringen Forscher eine längere Zeit in einem zu erforschenden Feld, um eine Innenansicht zu gewinnen. In erster Linie geht es darum, zu vermeiden, isolierte Datenpunkte in feldexterne Ordnungen zu quetschen. Vielmehr sollen durch -intime Bekanntschaft- (Blumer) mit der zu erforschenden Gruppe die internen Relevanzen und Realitätskonstruktionen der Gruppe selbst aufgedeckt werden: Da man ein Teil dieser konstruierenden Gruppe wird gewinnt man Einsichten entwickelt, die durch Nachfragen nicht zu erreichen gewesen wären. Das Seminar dauert zwei Semester an und besteht aus drei Teilen. Im ersten Drittel diskutieren wir Feldwahl, Immersion, Intersubjektivität und die Einnahme der Perspektive der Mitglieder als Forschungsstrategie, Feldnotizen und die langsame Entwicklung von Forschungszielen im Kontakt mit der zu erforschenden Gruppe. Im zweiten Drittel werden Studierende in Forschungsfelder gehen, um dort Ethnografie zu betreiben. Damit beginnen wir in den letzten Wochen des ersten Semesters; Beobachtungen müssen im Laufe der vorlesungsfreien Zeit fortgeführt werden. Immersion erfordert häufige und lange Präsenz im Feld; Ethnografie ist nicht durch kurzes -Reinschnuppern- oder gar Interviews zu leisten. In den ersten Wochen des zweiten Semesters gehen die Feldbeobachtungen weiter, und im nach einigen Wochen beginnenden dritten Drittel sammeln wir gemeinsam die Analysen und entwickeln in Diskussion mittereinander Linien für ethnografische Hausarbeiten. Ethnografie ist keine Gruppenarbeit; in den allermeisten Fällen werden Studierende allein in Felder gehen und alleine Ethnografien verfassen. Sie ist zeitaufwändig und erfordert Kreativität: Es gibt in der Ethnografie keine festen -Methoden-, an denen man sich eng entlanghangeln könnte. Dafür ist Ethnografie jedoch auch ein Abenteuer, sie ermöglicht Freiheitsgrade, die andere soziologische Forschung selten bieten kann und erlaubt tiefgreifende Einblicke in spannende soziale Welten. Am/nach Ende des Seminars, im Juli und August, finden in Schweden und New York Ethnografiekonferenzen statt. Verfasserinnen und Verfasser ausgezeichneter Arbeiten haben die Chance, ihre Ethnografie dort mit Anreisefinanzierungshilfe zu präsentieren, wenn sie ausgewählt werden und sie das möchten. FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2012/13 Soziologie HF Dr. Dellwing Michael