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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Tonsatz be greifen Vokalpolyphonie des 16 Jahrhunderts Tonsatz und Analyse

Die Wurzeln der abendländischen Musik liegen in der Vokalmusik. Sie konstituiert sich durch jeweils einzelne Stimmen, die in stilistisch charakteristischer Weise zueinander in Beziehung treten. Dies erscheint vielleicht zunächst lapidar zu sein. Doch ist dieser Sachverhalt durchaus nicht im allgemeinen...

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Die Wurzeln der abendländischen Musik liegen in der Vokalmusik. Sie konstituiert sich durch jeweils einzelne Stimmen, die in stilistisch charakteristischer Weise zueinander in Beziehung treten. Dies erscheint vielleicht zunächst lapidar zu sein. Doch ist dieser Sachverhalt durchaus nicht im allgemeinen Bewußtsein – auch nicht von Musikern – verankert. Im -klassischen- Kompositionsunterricht ging es stets um die Linearität, um Melos und das Verhältnis der Stimmen jeweils zueinander, schlicht um Kontrapunkt. Erst eine sich an Konservatorien und Musikhochschulen im 19. Jahrhundert akademisch verselbständigende Harmonielehre – gelegentlich auch emphatisch als -Wissenschaft von der Harmonie- bezeichnet – verstellte den Blick auf diesen zutiefst musikalischen Zusammenhang und substituierte im Unterricht die Gestaltung von gleichberechtigt am musikalischen Geschehen beteiligten melodischen Linien durch die mehr oder weniger mechanische Fortschreitung von Akkord zu Akkord. Im 16. Jahrhundert steht die Vokalpolyphonie in voller Blüte. Das beginnende Jahrhundert ist mit dem Namen Josquin und das ausgehende mit dem Namen Palestrina verbunden. Innerhalb des Seminars werden einerseits ausgewählte Werke dieser beiden Komponisten analysiert und andererseits die an Hand der Analyse gewonnen Erkenntnisse in zweistimmig polyphonen Tonsätzen angewandt. Beide Methoden werden also wechselseitig aufeinander bezogen. Spezielle Schwerpunkte der Tonsatzunterweisung bilden: Melodielehre, Intervall­konstellationen, Dissonanzbehandlung, Modalität und Klausellehre (clausula est ornatus in musica). In der Vorlesung werden Aufbau, Entwicklung und Funktion der wichtigsten vokalpolyphonen Gattungen anhand ausgewählter Beispiele erläutert. Daniel, Thomas, Kontrapunkt – Eine Satzlehre zur Vokalpolyphonie des 16. Jahrhunderts, Köln ²2002 Daniel, Thomas, Zweistimmiger Kontrapunkt. Ein Lehrgang in 30 Lektionen, Köln 2002 de la Motte, Diether, Kontrapunkt, Kassel 1981 Fux, Johann Joseph, Gradus ad Pamassum, Wien 1725, Faksimile-Ed. Kassel 1967 Hohlfeld, Christoph/Bahr, Reinhard, Schule des musikalischen Denkens. Der Cantus-firmus-Satz bei Palestrina, Wilhelmshaven 1994 Jeppesen, Knud, Der Palestrinastil und die Dissonanz, Leipzig 1926 Jeppesen, Knud, Kontrapunkt. Lehrbuch der klassischen Vokalpolyphonie, Leipzig 1935, Wiesbaden 71975 Meier, Bernhard, Alte Tonarten, dargestellt an der Instrumentalmusik des 16. und 17. Jahrhunderts, Kassel u.a. 1992 Meier, Bernhard, Die Tonarten der klassischen Vokalpolyphonie, Utrecht 1974 FB 01 Institut für Musik Uni Kassel SoSe 2013 Musik Musik Prof. Dr. Bischoff Bodo