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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Totes Haus fettes Haus Das Haus in der zeitgenössischen Kunst

Über Generationen und Genres hinweg taucht das Haus als künstlerisches Motiv auf und führt immer wieder zu spannenden Arbeiten: Erwin Wurm zerstreicht Häuser auf dem „Butterbrot“, lässt sie in einem „Kuhfladen“ schmelzen oder fett werden. Wurms „Fat House“ gerät aus...

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Über Generationen und Genres hinweg taucht das Haus als künstlerisches Motiv auf und führt immer wieder zu spannenden Arbeiten: Erwin Wurm zerstreicht Häuser auf dem „Butterbrot“, lässt sie in einem „Kuhfladen“ schmelzen oder fett werden. Wurms „Fat House“ gerät aus der Form und quillt, lediglich vom eigenen Dach begrenzt, zu allen Seiten. 1985 beginnt Gregor Schneider das neben der Bleigießerei seiner Eltern gelegene Haus in Rheydt umzubauen. In das Haus, an dem er über zwanzig Jahre arbeitet, baut er neue Wände und Räume hinein. Als „Totes Haus u r“ präsentiert Schneider seine Einbauten unter anderem auf der Biennale in Venedig. Thomas Hirschhorns „Two Families“ besteht aus dem Modell eines verwüsteten Doppelhauses, dessen Räume mit Kriegsfotos ausgestattet sind. Die Sichtungen in einem Nachlass mit Luftaufnahmen von Einzelhäusern führten Peter Piller zur Inventarisierungskatagorie der „schlafenden Häuser“. Jan Brokof, der vorwiegend mit Holzschnitten arbeitet, widmet sich dem ostdeutschen Plattenbau und präsentiert seine Hochhäuser zum Teil als Installationen. Louise Bourgeois erarbeitete verschiedene Versionen des Motivs Haus/Frau und nutzte für „Femme maison“ so unterschiedliche Medien wie Graphik und Skulptur. Mit ihrer Beton-Skulptur „House“ thematisiert Rachel Whiteread das alle Häuser kennzeichnende Spannungsverhältnis zwischen Innen und Außen sehr eindrücklich, indem sie den Innenraum zur Außenwand transformiert. Michael Sailstorfer installiert in einem Holzhaus einen Ofen, in dem das Haus verheizt wird oder stellt aus alten Wohnmobilen das Haus „Heimatlied“ her. Und auch in der documenta 12 waren Begegnungen mit verschiedenen Häusern möglich: Mary Kelly und Ray Barries „Multi-Story House“ hält Zitate zur Frauenbewegung fest und lädt den lesenden Betrachter zum Eintreten ein. Ai Weiwei verwendete für seine Skulptur „Template“ Türen und Fenster aus zerstörten Häusern der Ming- und Qing-Dynastie. Mit der Videoinstallation „Summer Camp“ dokumentierte Yael Bartana den Wiederaufbau eines von israelischen Behörden zerstörten Hauses. Diesen und weiteren Kunstwerken, in denen dem Motiv des Hauses eine entscheidende Rolle zukommt, möchte sich das Seminar zuwenden und sich verschiedenen Vertretern zeitgenössischer Kunst und damit ganz unterschiedlichen Arbeitsweisen und Materialien widmen. Ausstellungskataloge wie „Home sweet home“, „HausSchau: das Haus in der Kunst“ und „La casa, il corpo, il cuore“ sowie die beiden jüngst erschienenen Bände der Zeitschrift Kunstforum International „Die dritte Haut: Häuser I“ (Bd. 182, Oktober-November 2006) und „Der Geist der Schwelle. Häuser II“ (Bd. 184, März-April 2007) bieten dafür eine hilfreiche Basis. BemerkungKuWi Modul: I, V, VIII, IV Lehramt1, Modul 2, Lehramt2, Modul 3, Lehramt3, Modul 4 Kunsthochschule Kassel Uni Kassel WS 2007/2008 Kunstwissenschaft M.A. Auel Anne Kathrin M.A