Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Transformationsprozesse der 1970er Jahre
Der Historiker Tony Judt hat die 1970er Jahre als das psychologisch gesehen -deprimierendste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts- bezeichnet, und auch in den meisten anderen geschichtswissenschaftlichen Darstellungen bestimmt die Diagnose einer fundamentalen Krise der westlichen Gesellschaften das Bild. Krisenhafte Perioden sind...
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Jetzt Lernplan erstellenDer Historiker Tony Judt hat die 1970er Jahre als das psychologisch gesehen -deprimierendste Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts- bezeichnet, und auch in den meisten anderen geschichtswissenschaftlichen Darstellungen bestimmt die Diagnose einer fundamentalen Krise der westlichen Gesellschaften das Bild.
Krisenhafte Perioden sind freilich Zeiten, in denen durch beschleunigten Wandel bestehende Strukturen aufgebrochen werden und neuartige Formationen in Wirtschaft und Gesellschaft, Politik und Kultur sich vorbereiten. So waren die 1970er Jahre einerseits das Jahrzehnt von Rezession, Ölpreisschock, Krise der Industriegesellschaft und Terrorismus, andererseits begannen die Bildungsexpansion, die Umwelt- und die Frauenbewegung und eine zunehmend individualistische Konsumgesellschaft, die Wirtschafts- und Lebensweisen sowie die Wege der politischen Partizipation umzugestalten. Das war in der Bundesrepublik der Fall, die im Mittelpunkt unseres Interesses stehen wird, aber auch in anderen Ländern, auf die sich immer wieder der vergleichende Blick richten wird.
Im Seminar gilt es, ein differenziertes Bild von den vielfältigen Wandlungsprozessen zu erarbeiten. Dabei wird besonders zu beachten sein, dass Geschwindigkeit und Eindringtiefe der wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Veränderungen nicht in allen Bereichen gleich waren. Damit nähern wir uns zugleich dem methodischen Hauptziel des Seminars, das darin besteht, über Grundfragen der historischen Periodisierung nachzudenken: Wann beginnen und wann enden die 1970er Jahre? Lassen sie sich sinnvoll aus dem Strom des Geschehens herausheben und auf den Begriff (Krise oder Aufbruch) bringen? Wie steht es mit dem Verhältnis von Kontinuität und Wandel in den gesellschaftlichen Teilbereichen?
A. Doering-Manteuffel u. L. Raphael, Nach dem Boom. Perspektiven auf die Zeitgeschichte seit 1970, 2. Aufl., Göttingen 2010.
K. Jarausch (Hg.), Das Ende der Zuversicht? Die siebziger Jahre als Geschichte, Göttingen 2008.
FB 05 Gesellschaftswissenschaften
Uni Kassel
SoSe 2011
Geschichte HF
Sachunterricht
Dr.
Torp Claudius