Uni-Essen
14. März 2017Seminar Übung Erzählte Welt Oral Poetry im 20 und 21 Jahrhundert
Gegenstand des Seminars sind nicht etwa ‚Hörbücher’ (also Lesungen schriftlich verfasster und publizierter Texte), sondern Literatur, die nur in gesprochener Form existiert. Doch soll es hier auch nicht um Volksgut oder mündlich tradierte Mythen nicht-literarischer Völker gehen, sondern um deutschsprachige...
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Jetzt Lernplan erstellenGegenstand des Seminars sind nicht etwa ‚Hörbücher’ (also Lesungen schriftlich verfasster und publizierter Texte), sondern Literatur, die nur in gesprochener Form existiert. Doch soll es hier auch nicht um Volksgut oder mündlich tradierte Mythen nicht-literarischer Völker gehen, sondern um deutschsprachige Erzählungen des 20. und 21. Jahrhunderts – von Carl Zuckmayer (Die Hirschkuh, 1961) bis zu Dieter Wellershoff (Schau dir das an, das ist der Krieg, 2010) und Herta Müller (Die Nacht ist aus Tinte gemacht, 2009). Im Mittelpunkt des Seminars steht der 1943 im böhmischen Tachau geborenen Schriftsteller Peter Kurzeck, dessen autobiographisches Erzählen ihn in eine Traditionslinie mit den Werken der großen Romanciers des 20. Jhs. rückt – von Balzac und Zola über Joyce und Musil bis hin zu Hubert Fichte und Uwe Johnson. Schrittweise, mit jedem neuen Text – ob in primärer oder in -sekundärer Oralität- (Ong), wie in seiner unabgeschlossenen Dodekalogie -Das alte Jahrhundert- –, wird bei Kurzeck eine epische Welt entworfen und ausgestaltet, der erzählte Kosmos einschließlich seiner Topographie und Protagonisten immer mehr gefestigt.
Kurzecks in den 90er Jahren begonnenes und durch seinen Tod im vergangenen Jahr vorzeitig beendetes Erzählprojekt ist – ausgehend von Erinnerungsorten bzw. -räumen wie Staufenberg bei Gießen und Frankfurt am Main – eine inoffizielle Geschichte der BRD. Kern‚texte’ des Seminars und damit für alle TeilnehmerInnen obligatorisch sind die im Supposé-Verlag erschienen akustischen Werke Ein Sommer der bleibt (2007), Da fährt mein Zug (2010), Mein wildes Herz (2011) sowie – 2014 im Stroemfeld-Verlag erschienen – Unerwartet Marseille.
Neben dem Verhältnis von Schriftlichkeit und Oralität soll auch das von Fiktion und Autobiographie im Rahmen des Seminars Beachtung finden.
Alle CDs werden ab Anfang September in einem Handapparat zur Verfügung gestellt; bis Seminarbeginn sollten Sie alle davon aufmerksam (und mit Notizen) gehört haben. Es schadet nicht, wenn Sie zumindest einzelne der Hörtexte (etwa Kurzecks Ein Sommer der bleibt) käuflich erwerben.
Germanistik
Universität Duisburg-Essen
WiSe 2014/15
Dr.
Jäger Maren