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Uni-München
14. März 2017

Seminar Utopien V1

Wenn sich (politische) Vertreter des Realitätsprinzips entschieden und tiefsinnig geben, oder ihre vermeintliche Ohnmacht für den Betrieb der Macht funktionalisieren wollen, greifen sie auf die Aussage zurück, die Ordnung der Dinge und Märkte sei alternativlos. Dagegen haben Utopien immer schon...

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Wenn sich (politische) Vertreter des Realitätsprinzips entschieden und tiefsinnig geben, oder ihre vermeintliche Ohnmacht für den Betrieb der Macht funktionalisieren wollen, greifen sie auf die Aussage zurück, die Ordnung der Dinge und Märkte sei alternativlos. Dagegen haben Utopien immer schon Einspruch erhoben und der Wirklichkeit fiktional auf die Sprünge helfen wollen: -Andere Welten, andere Zeiten und andere Räume sind (wirklich) möglich- – so könnte man den kategorischen Optativ des utopischen Bewusstseins formulieren. Ernst Bloch, der große Fabulator des -Prinzips Hoffnung-, pflegte in diesem Sinn gern einen Satz von Oscar Wilde zu zitieren: -Eine Karte der Welt verdient nicht einmal einen Blick, wenn das Land Utopia auf ihr fehlt.- Wenn die Ordnung des Sichtbaren und Sagbaren sich mithin dem verschließt, was die Ordnung des Seienden an ein N/nirgendwo grenzen lässt, wird sie in jeglicher Hinsicht beschränkt. Nun erweisen sich die geschichtlichen und literarischen Konstruktionen dieses Nirgendwo als durchaus vielfältig und heterogen. Das Seminar will in gemeinsamer Lektüre und Diskussion einiger einschlägiger Utopien die literarischen, poetologischen, philosophischen und politischen Bauformen des utopischen Begehrens erörtern, nach den identischen, sich durchhaltenden Zügen sowie den differenten Formen und Inhalten fragen, die sich mit dem Ins-Werk-Setzen des Wunsches verbinden. Gelesen werden u.a. Thomas Morus, Utopia; Tommaso Campanella, Der Sonnenstaat; Etienne Cabet, Reise nach Ikarien; Edward Bellamy, Looking Backward 2000-1887. Theoretische Aspekte der Utopie und des utopischen Bewusstseins sollen in der Beschäftigung mit Ernst Bloch (Geist der Utopie bzw. Das Prinzip Hoffnung) und Karl Mannheim (Ideologie und Utopie) thematisiert werden. Zur Einführung und Orientierung: Theodor W. Adorno/ Ernst Bloch, -Etwas fehlt…Über die Widersprüche der utopischen Sehnsucht-, in: Rainer Traub/ Harald Wieser (Hg.), Gespräche mit Ernst Bloch, Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1975, 58-77. Klaus L. Berghahn/ Hans Ulrich Seeber (Hg.), Literarische Utopien von Morus bis zur Gegenwart, Königstein/ Taunus (Athenäum) 1983. ECTS-Punkte: Hauptfach: BA: 6 ECTS (mit Hausarbeit, benotet) Nebenfach: SLK:3 ECTS (keine Hausarbeit, benotet) 6 ECTS (mit Hausarbeit, benotet) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache Erfolgreich absolvierter Einführungskurs der Allgemeinen und Vergleichenden Literaturwissenschaft oder Einführungskurs einer anderen Philologie. B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.14/16/18/20). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 4 dem Kurstyp -Begleitkurs zu Themen der Kultur- und Medienwissenschaften m/n/o/p- (WP 4.0.14/16/18/20). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Thesenpapier (3.000-6.000 Zeichen) oder Übungsaufgaben (3.000-6.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München WiSe 1415 Dr. Bullmann Lars