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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Vergangenheits und Erinnerungspolitik in Lateinamerika

Auf dem lateinamerikanischen Subkontinent haben in den letzten Jahren die gewaltvollen Erfahrungen mit staatlicher Gewalt und Menschenrechtsverletzungen durch die zivil-militärischen Regierungen der 1970er und 1980er Jahren auf vergangenheits- und erinnerungspolitischer Ebene besondere Aufmerksamkeit erfahren teilweise wird sogar von einem Erinnerungsboom...

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Auf dem lateinamerikanischen Subkontinent haben in den letzten Jahren die gewaltvollen Erfahrungen mit staatlicher Gewalt und Menschenrechtsverletzungen durch die zivil-militärischen Regierungen der 1970er und 1980er Jahren auf vergangenheits- und erinnerungspolitischer Ebene besondere Aufmerksamkeit erfahren teilweise wird sogar von einem Erinnerungsboom gesprochen. Das Spannungsverhältnis zwischen individueller und kollektiver Aufarbeitung sowie die Pluralität der involvierten Akteure begründen zudem die Polyphonie von Geschichtsinterpretationen innerhalb der Gesellschaften und lässt den gegenwärtigen Umgang mit der Historie zu einer umkämpften Vergangenheit (Bock/Wolfrum 1999) werden. Die zentrale Frage nach der Vergegenwärtigung des Vergangenen äußert sich in vergangenheitspolitischen Maßnahmen (z.B. Disqualifizierung der Täter, Etablierung von Erinnerungsorten) sowie auf erinnerungskultureller Ebene (z.B. im Bereich der Literatur, Film, Wandmalerei). Das Ringen um die Modalitäten Gerechtigkeit und Wahrheit, bei der sich beide genannten Sphären gegenseitig beeinflussen, ist bedeutsam für das Verständnis von Demokratisierungsprozessen und aktueller Politik in Lateinamerika. Der erste Block des Seminars soll einen Überblick über die grundlegenden Begrifflichkeiten und Akteure der Vergangenheitsdebatte liefern sowie das Verhältnis Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft aus unterschiedlichen Forschungsperspektiven beleuchten. Mithilfe analytisch-konzeptioneller Texte wird im zweiten Teil darauf aufbauend die Erarbeitung einzelner lateinamerikanischer Fallstudien im Mittelpunkt stehen. Die Teilnehmenden sollen nicht nur für das interdisziplinäre Forschungsfeld der Vergangenheits- und Erinnerungspolitik sensibilisiert werden, sondern durch die Beschäftigung mit der Rekonstruktion der Vergangenheit zentrale gesellschaftliche Spannungslinien und politische Entwicklungen in Lateinamerika kennenlernen. Intensive Textlektüre und die Bereitschaft zur Übernahme eines Referats werden vorausgesetzt. FB 01 Institut für Erziehungswissenschaft Uni Kassel WiSe 2016/17 Kernstudium Bechtum Alexandra