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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar You like this Identität im Internet zwischen Selbstverwirklichung und Überforderung

Facebook ist Unterhaltung und Arbeit. Unermü d lich produzieren Userinnen neue Inhalte für ihre Freunde, die im Gegenzug Bilder, Links und Textschnipsel mit Kommentaren und Likes belohnen. Dabei ist es nicht nur erwünscht, sondern kann auch Spaß machen, sich selbst...

Was lernst du wirklich?

Dieses Seminar beleuchtet, wie wir unsere Identität im Internet, insbesondere auf sozialen Medien, konstruieren und präsentieren. Es untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Selbstverwirklichung und Anerkennung einerseits und den Herausforderungen durch Plattformregeln, Datenschutz und die Gefahr der Überforderung andererseits. Du lernst, die komplexen Dynamiken der digitalen Selbstinszenierung kritisch zu reflektieren.

Das wirst du lernen

  • Die Mechanismen der Identitätskonstruktion in sozialen Netzwerken verstehen.
  • Die Rolle von Authentizität, Anerkennung und Selbstverwirklichung im Online-Kontext analysieren.
  • Herausforderungen des Datenschutzes und der Datenkontrolle im Internet erkennen.
  • Die Auswirkungen von Plattformstrukturen auf die individuelle Kreativität und Selbstpräsentation beurteilen.
  • Strategien für ein reflektiertes "Identitätsmanagement" im digitalen Raum entwickeln.

Passende Berufsfelder

Social Media ManagementOnline-Marketing und Content CreationJournalismus und MedienarbeitPR und UnternehmenskommunikationDigitale Ethik und Datenschutzberatung

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Offizielle Kursbeschreibung

Facebook ist Unterhaltung und Arbeit. Unermü d lich produzieren Userinnen neue Inhalte für ihre Freunde, die im Gegenzug Bilder, Links und Textschnipsel mit Kommentaren und Likes belohnen. Dabei ist es nicht nur erwünscht, sondern kann auch Spaß machen, sich selbst und die Dinge, die man mag, anderen mitzuteilen. Das Publikum der Freundinnen wird zur aufmerksamen Jury einer persönlichen Castingshow. Man selbst zu sein, wird mit Facebook zum spielerischen Projekt. Das Ziel ist Selbstverwirklichung, die wichtigste Regel ist Authentizität, als Gewinn winkt Anerkennung. So oder so ähnlich scheinen viele der neueren Medien des Internets zu funktionieren. Userinnen können sich untereinander vernetzen, um sich gegenseitig dabei zu beobachten, wie sie Inhalte produzieren, um dabei immer auch an sich selbst und ihrer Außenwirkung zu arbeiten. Das eröffnet Benutzerinnen Spielräume zum Ausprobieren und Experimentieren, aber völlige Freiheit gibt es im Netz kaum. Die Software populärer Netzwerkseiten lässt selten alles zu, und die Userinnen agieren meist innerhalb der Grenzen vorgegebener Formulare (Lieblingsfilm, Lieblingsalbum, Lieblingszitat). Kreativität ist ausdrücklich erwünscht, aber nur solange die Plattformbetreibenden Werbeeinnahmen und Nutzungsgebühren abschöpfen können. Dabei konkur r ieren die Anforderungen vieler Internetdienste nicht selten mit den Ansprüchen traditioneller Privatsphäre. Einerseits wollen die meisten Menschen nicht alles aus ihrem Leben bekannt machen, andererseits ist es an vielen Orten des Netz e s attraktiv den eigenen Geschmack und die eigene Persönlichkeit mit anderen zu teilen, um dabei als interessanter Mensch zu erscheinen. Eingespannt in komplexe Netzwerke aus Personen, Computern und Software wird es darüber hinaus immer schwieriger Kontrolle und Über b lick über persönliche Daten zu behalten. Die Pflege der eigenen Identität durch eine sorgfältige Veröffentlichung persönlicher Informationen wird zur anspruchsvollen Managementaufgabe. Das Internet ist im Mainstream angekommen. Das Leben mit und im Netz passiert nicht losgelöst vom Rest der sozialen Welt, sondern ist immer auch verknüpft mit gesellschaftlichen Praktiken jenseits des Internets. So können die Bedingungen im Netz Ausdruck oder Ursache sein für Trends, die über das Digitale hinausgehen. In diesem Sinne wollen wir im Seminar fragen, wie die Freiräume und Grenzen der digitalen Welt auf Individuen und Gesellschaft zurückwirken. Seminarplan Ziel des Seminars ist das Erlernen und Erproben soziologischer Perspektiven. Zu diesem Zweck sollen gemeinsam Texte der soz i ologischen Theorie gelesen und diskutiert werden, um herauszufinden, ob diese als Werkzeuge taugen zur Beschreibung, Analyse und Kritik digitaler Praktiken und Verhältnisse. Das Seminar soll beginnen mit einer kritischen Prüfung der Begriffe Identität, Selbstverwirklichung und Authentizität. Die Frage ist, welche Konzepte am ehesten geeignet sind, um die Spannung zwischen individueller Handlungsmacht und sozialen Anforderungen zu beschreiben. Kann ich selbst bestimmen, wer ich bin und was ich mir wünsche? Oder hängt alles ab vom Rahmen einer übermächtigen Gesellschaft? Welches Selbstbild soll ich online zeigen und pflegen? Wie wirklich muss ich werden, bis ich mich selbst verwirklicht habe? In diesem Sinne sehen wir uns exemplarische Figuren des digitalen Zeitalters an: User, Friends, Blogger, Hacker, Anons (Mitglied von Anonymous). Sie alle sind immer auch Vorbilder dafür, wie sich Personen im Internet verhalten können und sollen. Ihre Praktiken können verraten, welche Menschenbilder für die digitale Welt existieren. (Bonuslevel: Wir versuchen uns an einer Theorie der Hipster. Gibt es sie überhaupt, was haben sie mit dem Internet zu tun und warum mag sie keiner?) Der genaue Seminarplan mit Literaturliste wird in der ersten Sitzung besprochen. Vorschläge für Texte und Themen sind willkommen und können auch vorab per Mail geschickt werden an pittroff@uni.kassel.de. Leistungsnachweise Im Rahmen des Seminars sollen theoretische Texte gelesen, eigenständig kommentiert und gemeinsam diskutiert werden. Alle Seminarteilnehmerinnen sollen die Möglichkeit haben, sich in die Diskussion einzubringen und Kritik zu üben. Erstens durch die selbstständige Formulierung von Kommentaren oder Fragen zu den gelesenen Texten. Zweitens durch die Mitarbeit in Expertinnengruppen, die jeweils gemeinsam die Di s kussion einer Sitzung durch vorbereitete Fragen, Anregungen und Hilfestellungen organisieren sollen. Studienleistung: Einmalige Teilnahme an einer Expertinnengruppe und wöchentliche Formulierung eines kurzen, formlosen Kommentars (ein bis drei Sätze) zum gelesenen Text. Die Expertinnengruppen müssen keine traditionellen Referate vorbereiten, sondern das Seminar zur Disku s sion anregen und bei Fragen Hilfestellungen geben. Die kurzen Textkommentare sollen vor den Sitzungen online eingereicht werden und können voraussichtlich anonym per Moodle abgegeben werden. Obligatorische Studienleistung (bzw. Modulprüfungsleistung): 12-seitige Hausarbeit oder zwei 6-seitige Essays. Zum Einstieg http://www.prager-fruehling-magazin.de/de/article/1019.im-netz-der-kontrollgesellschaft.html http://contemporary-home-computing.org/turing-complete-user/ http://www.tabvlarasa.de/23/lembke.php http://www.thomasius-club.de/events/ulrich-brockling-das-unternehmerische-selbst-soziologie-einer-subjektivierungsform/ FB 05 Gesellschaftswissenschaften Uni Kassel WiSe 2014/15 Soziologie HF Pittroff Fabian