Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Zeichen der Unruhe Transkulturelle Prozesse Intersubjektivität und Sprache
Psychosoziale Interaktionsformen und gesellschaftliche Prozesse vermitteln sich in ihrem Niederschlag auf die individuelle Geschichte in sprachlichen und anderen Zeichenformationen, die es zu entschlüsseln gilt. Mit der Auflösung sozialer Bindungsstrukturen in der Spätmoderne angesichts von geographischer und familiärer Entwurzelung sowie dem...
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Jetzt Lernplan erstellenPsychosoziale Interaktionsformen und gesellschaftliche Prozesse vermitteln sich in ihrem Niederschlag auf die individuelle Geschichte in sprachlichen und anderen Zeichenformationen, die es zu entschlüsseln gilt. Mit der Auflösung sozialer Bindungsstrukturen in der Spätmoderne angesichts von geographischer und familiärer Entwurzelung sowie dem Verlust von sozialen Gratifikationsstrukturen verbreitet sich ein Loss of Words. Dies zeigt sich in einem Vorherrschen von Formen des Acting outs und Acting ins angesichts der Schwierigkeit zu symbolisieren, zu verbalisieren und damit sprachliche Lösungen von Konflikten zu finden. Gewalt als Symptom einer kulturellen Ausgrenzung und eines Zerbrechens des sittlichen Konsenses einer Gesellschaft provoziert eine Antwort, die sich in den herrschenden gesellschaftlichen und staatlichen Institutionen in immer weiteren Kriminalisierungs und Ausgrenzungsinterventionen zu erschöpfen scheint, so notwendig diese im Einzelfall sein mögen. Eine Versöhnung des zerbrochenen sittlichen Konsenses erscheint so nicht möglich. Demgegenüber erscheinen Rückzugstendenzen weniger spektakulär, bringen jedoch gravierende psychische, soziale und somatische Belastungen mit sich. Die Erforschung der aktuellen Bewegungen der Lebenswelten, in denen transkulturelle Erfahrungen selbstverständlich sind, soll in diesem Colloquium aus soziologischen, linguistischen, psychoanalytischen und neurophysiologischen Perspektiven erörtert werden. Es geht darum, diese Phänomene aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, da sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch in den Wissenschaften gegenseitige Beeinflussung unterschiedlicher Kulturen produktiv genutzt werden kann. Psychoanalytischen Theorien zufolge sind Spracherwerb und Mentalisierungsprozesse nicht von der körperlich-psychischen Entwicklung zu trennen. In der Linguistik, besonders der Psycholinguistik, wird ebenfalls zunehmend die Verbindung von Zeichen und Körper thematisiert. Auch wenn diese Theorien sehr unterschiedliche Akzente setzen, ergibt sich aus ihrer Zusammenschau, dass in der Sprache körperliche, psychische, kognitive und soziale Elemente konvergieren.
Mit der Frage von Veranlagung und Entwicklung von Intersubjektivität bietet die Neurophysiologie neue Erkenntnisse, Soziologie und Sozialpsychologie schaffen mit empirischem Material und Analysen einen Einblick in soziale Phänomene und ihre Kausalverknüpfungen.
FB 04 Sozialwesen
Uni Kassel
WS 2007/2008
Prof. Dr. Dr.
Warsitz Rolf Peter