Uni-Essen
14. März 2017Seminar Zeitwohlstand im Zeitalter der Beschleunigung
In dem Seminar wollen wir die Rolle von Zeitwohlstand für eine sozial-ökologische Lebensweise beleuchten und dabei fragen: wer kann sich Zeitwohlstand eigentlich leisten? Zeitressourcen sind zwischen den Geschlechtern, Ethnien und gesellschaftlichen Klassen ungleich verteilt. Welche unterschiedlichen Herausforderungen für Zeitwohlstand stellen...
Erstelle deinen persönlichen Lernplan
Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.
Jetzt Lernplan erstellenIn dem Seminar wollen wir die Rolle von Zeitwohlstand für eine sozial-ökologische Lebensweise beleuchten und dabei fragen: wer kann sich Zeitwohlstand eigentlich leisten? Zeitressourcen sind zwischen den Geschlechtern, Ethnien und gesellschaftlichen Klassen ungleich verteilt. Welche unterschiedlichen Herausforderungen für Zeitwohlstand stellen sich angesichts der verschiedenen gesellschaftlichen Positionen? Welche ökologischen Auswirkungen hat diese Ungleichverteilung? In dem Seminar werden wir den Diskurs um Zeitwohlstand um die Perspektive auf Zeitgerechtigkeit erweitern und dabei herausarbeiten, wie Zeit gerecht gelebt werden kann.
Im Kontext der seit 2011 wieder intensiv geführten Transformationsdebatte wird auch deren temporale Dimension erneut gesellschaftlich diskutiert. Dabei sind eine Visionsebene (Zeitwohlstand) und eine Prozessebene (Zeitpolitik) zu unterscheiden. Sowohl innovative Pionierforscher_innen vom Konzeptwerk Neue Ökonomie haben das Thema aufgegriffen, als auch das Öko-Institut, welches die aktuelle Studie -Zeit für Nachhaltigkeit – Zeiten der Transformation- in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Zeitpolitik für das Umweltbundesamt verfasst hat. Zeitwohlstand wird auch in der Postwachstumsdebatte intensiv diskutiert. Hartmut Rosa vom Postwachstumskolleg in Jena arbetiet derzeit an einer kritischen Theorie der Beschleunigung.
Das Besondere an diesem Diskurs ist, dass sich der Zeitwohlstandsbegriff von der Orientierung an Erwerbsarbeit gelöst hat. Es handelt sich nur noch zum Teil um eine Debatte um Arbeitszeitverkürzung, statt dessen wird Zeitwohlstand zunehmend als Bedingung für ökologisches Wirtschaften und als neue gesellschaftliche Zielgröße anstatt einer Orientierung am BIP betrachtet. Diesen Aspekten werden wir uns im Seminar genauer widmen.
Lernziel: Kenntnisse aktueller gesellschaftlicher Entwicklungen, Probleme und Konfliktlagen. Studierende können grundlegende soziologische Konzepte, Theorien und Methoden erläutern, vergleichen, anwenden und beurteilen. Fähigkeit, aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen, Probleme und Konfliktlagen mit Hilfe soziologischer Theorien, empirischer Wissensbestände und sozialwissenschaftlicher Methoden analysieren und diskutieren zu können.
Claassen, Rutger (2012): Temporal Autonomy in a Laboring Society. In: Inquiry, 55 (5), S. 543-562.
Goodin, Robert (2008): Discretionary Time. A New Measure of Freedom. Cambridge: Cambridge University Press.
ÖkologischesWirtschaften (4/2015): Zeitwohlstand. Institut für ökologische Wirtschaftsforschung/ Vereinigung für ökologische Wirtschaftsforschung (Hrsg.) München: Oekom Verlag.
Konzeptwerk Neue Ökonomie (Hrsg.) (2014): Zeitwohlstand - Wie wir anders arbeiten, nachhaltig wirtschaften und besser leben. München: Oekom Verlag.
Reisch, Lucia/ Bietz, Sabine (2014): Zeit für Nachhaltigkeit – Zeiten der Transformation. München: Oekom Verlag.
Rosa, Hartmut (2014): Beschleunigung und Entfremdung. Frankfurt am Main: Suhrkamp Taschenbuch Verlag.
Sozialwissenschaften
Universität Duisburg-Essen
WiSe 2015/16
LA Ba HRGe, Bachelor-Studiengang mit Lehramtsoption Haupt-, Real-, Gesamtschule
von Jorck Gerrit