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Uni-Siegen
14. März 2017

Situiertes Wissen Qualitative Methoden Reflexivität und Epistemologien feministischer Sozialforschung

Feministische Sozialforschung birgt stets eine politische Motivation: Sie kritisiert Ungleichheiten, Hierarchien, Normalisierungen - und strebt deren Aufhebung an. Dieser kritische und politische Anspruch hat zu der Frage geführt, ob feministische Sozialforschung ‚anders

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Feministische Sozialforschung birgt stets eine politische Motivation: Sie kritisiert Ungleichheiten, Hierarchien, Normalisierungen - und strebt deren Aufhebung an. Dieser kritische und politische Anspruch hat zu der Frage geführt, ob feministische Sozialforschung ‚anders' sein und vorgehen muss: Sind einzelne Methoden, Analyse oder gar Denkweisen besser geeignet, um soziale Ungleichheiten zu thematisieren und deren Veränderung zu verwirklichen? Müssen diese Ansätze neu entwickelt werden? Diese Position ‚des Anderen' ist nicht bloß kritisch, sondern wirkt sich zudem produktiv aus: Die Ablehnung normalisierter Modi sozialwissenschaftlicher Wissensproduktion eröffnetet Möglichkeiten innovativen Forschens und Schreibens. Feministische Theorien kritisieren die beanspruchte Allgemeingültigkeit und die vermeintlichen Wahrheiten androzentrischer Sozialwissenschaft. Dem Mythos Objektivität und der Verbannung subjektiver Einflüsse stellen sie situierte und kontextualisierte Wissensproduktionen gegenüber. Die Möglichkeit einer Theorie des Wissens wird als Utopie aufgefasst. Feministische Epistemologien (der verwendete Plural ist bereits bedeutsam), d.h. Theorien des Wissens und der Möglichkeit von Wissensproduktion, betrachten Kontextualität und Subjektivität nicht als Störfaktoren, sondern als notwendige, konstruktive Bestandteile der Wissensproduktion. So wie das Streben nach Objektivität Forschungsansätze und Schreibstile prägte, haben auch feministische Arbeiten an ihre Wissenslegitimierungen anknüpfend empirische Methoden und textuelle Darstellungsformen entwickelt. Die historische und beispielhafte Erfassung dieses Zusammenspiels aus politischer Motivation, theoretisch-epistemologischer Fundierung, empirischer Umsetzung und textueller Präsentation ist Ziel des Seminars. Vorgestellt und diskutiert werden empirische Methoden, Präsentationsmodi sowie Wissenstheorien feministischer Forschung, die ein innovatives Forschen und Schreiben ermöglichen. Ausgewählte Texte sind etwa Donna Haraways' -Situated Knowledges- (1988) und Sandra Hardings' -Feministische Wissenschaftstheorie- (1990). Vergleichend finden auch Artikel Berücksichtigung, die sich ähnlichen epistemologischen Problemen widmen, jedoch nicht von einer feministischen Motivation ausgehen, so etwa Bruno Latours' -The Politics of Explanation: An Alternative- (1988) und Wallace Stevens' -Description without Place- (1945). Bitte stellen Sie sich darauf ein, dass wir viele Texte in englischer Sprache lesen werden (das Lesepensum wird natürlich dieser Anforderung angepasst). FB 3 - Sprach-, Literatur- und Medienwissenschaften Universität Siegen SoSe 2011 Dipl.-Medienw. Richterich Annika Dipl Medienw